Beiträge von LowLimit2025

    Da ich solchen Diskussionen aus dem Weg gehen wollte, habe ich niemandem von der Spritze erzählt. Wenn ich auf meine Abnahme angesprochen werde, kommen von mir Standardfloskeln wie mache mehr Sport, ernähre mich fettärmer, Fdh, achte mehr auf gesunde Ernährung u.s.w

    Meinst du, dass Männer mit genauso vielen (Vor)-Urteilen zu kämpfen haben wie Frauen? Ich habe immer das Gefühl, dass mir als Mann das Medikament mehr „zugestanden“ wird als Frauen - bei denen es schnell als Schwäche und Disziplinlosigkeit abgeurteilt wird (vielleicht). Ich bin da sehr offensiv mit umgegangen, mir war aber auch die Reaktion egal, weil ich wusste, dass ich medizinisch und fachlich den meisten Diskussionen überlegen bin - nicht weil ich so schlau bin - sondern weil ich mich intensiv vorher pharmazeutisch damit auseinandergesetzt und alle verfügbaren Studien inhaliert habe. Das unterdrückt dann die Dauernörgler.

    Erstaunlich wie viele Menschen sich „outen“, wenn man selbst offen damit umgeht.

    Ich glaube, ich habe jetzt wieder etwas ausgeholt. Sorry dafür!

    Finde ich gar nicht - sondern du hast es wunderbar zusammengefasst und auch verstanden, dass es keineswegs eine Kritik sondern Anerkennung für deine Mühen ist. So ein Forum „nebenbei“ ist ganz sicher ein erheblicher Aufwand den ich einzuordnen und in jedem Fall zu schätzen weiß. Ich mag, wenn es pharmazeutisch, medizinisch fachlich ist - das entspricht eher meiner Denkweise - andere interessieren sich nicht so sehr für Studien, Forschung und co. Das ist auch gut und normal so. Und so ein Forum ist auch dafür perfekt geeignet. Also weiter so. 👍

    Wenn Du magst hast Du hier ja die Möglichkeit einen ergänzenden Artikel zu schreiben.

    Ich denke nicht, dass das als Angriff gemeint war. Gleichzeitig wirken deine Artikel – durch Aufbereitung, Struktur, Grafiken und Detailtiefe – sehr professionell und fachlich fundiert. Genau dadurch haben Tipps und Empfehlungen zwangsläufig einen richtungsweisenden Charakter.

    Wenn Inhalte dann unvollständig oder an einzelnen Stellen nicht ganz korrekt dargestellt sind, reicht aus meiner Sicht ein kurzer Disclaimer nur bedingt. Bei dem erkennbaren Aufwand, den du in Text und Grafik steckst, ist es absolut nachvollziehbar, dass Leser davon ausgehen, hier einen medizinisch sauberen Beitrag zu lesen.

    Vor diesem Hintergrund entstehen dann auch berechtigte fachliche Rückfragen:

    Warum werden bestimmte Blutwerte explizit benannt, andere aber nicht – etwa der Schutz der Bauchspeicheldrüse, bei dem eine Lipase-Baseline medizinisch sinnvoll sein kann? Gleiches gilt für den Injektionswinkel, der eben nicht pauschal ist, sondern stark von Nadellänge und Injektionsstelle abhängt. Auch das Thema Desinfektion, wie es Enyola angesprochen hat, gehört bei einer solchen Detailtiefe konsequent dazu.

    Das ist alles keine Kritik an deiner Arbeit im negativen Sinne, sondern eher ein Zeichen dafür, dass viele hier inhaltlich mitlesen, fachlich interessiert sind und den Aufwand ernst nehmen, den du betreibst.

    Dein Hinweis, dass man sich die ergänzenden Informationen ja in den Kommentaren zusammensuchen könne, finde ich vor diesem Hintergrund etwas schade – zumal Kommentare beim Artikel selbst nicht direkt sichtbar sind. Gerade weil der Artikel so hochwertig wirkt, wäre eine saubere Vollständigkeit im Haupttext aus meiner Sicht der bessere Weg.

    Hallo Matze,

    erstmal: wirklich toller Artikel, sehr verständlich, praxisnah und für viele sicher eine große Hilfe…

    Beim Lesen sind mir ein paar Punkte aufgefallen, die sich vielleicht noch schärfen oder ergänzen ließen:

    1. Blutbild / Check-up:
      Die Aufzählung der Laborwerte ist gut, aber eventuell noch nicht ganz vollständig. Zusätzlich zu HbA1c, Nierenwerten und Lipiden könnten auch Leberwerte (ALT/AST/GGT), Lipase (Baseline) -meines Erachtens ganz wichtig-, Schilddrüsenwerte (TSH ± fT4/fT3) sowie ggf. Elektrolyte sinnvoll sein. Gerade weil man so auch Ausgangswerte und eine Kontrolle nach ca. 3-6 Monaten gut vergleichen kann.
    2. Aufwärmzeit des Pens:
      Im Text werden zwei unterschiedliche Zeiten genannt (einmal 10–20 Minuten, später 30–45 Minuten). Das könnte man vereinheitlichen, um Verwirrung zu vermeiden.
    3. Injektionswinkel:
      Der Winkel ist nicht pauschal, sondern hängt von Nadellänge und Injektionsstelle ab. Eine kurze Präzisierung würde das fachlich noch runder machen.

    Alles in allem aber ein wirklich gelungener Artikel – das sind eher Feinschliff-Punkte aus meiner persönlichen Sichtweise.

    Bei der 1-Monatsspritze kann ich mir aktuell nicht recht vorstellen, wie man damit einen ausreichend gleichmäßigen Spiegel erreicht. Ist ja schon bei der Wochenspritze bei manchen ein Problem, dass sie am Anfang der Woche über- und am Ende unterdosiert sind, sodass sie besser splitten. Und wehe man macht bei einer Monatsspritze einen Anwendungsfehler (Überdosierung), dann muss man es sehr lange ausbaden. - Außer es gibt dann auch ein Gegenmittel für solche Fälle.

    Zum Glück müssen wir das ja nicht entwickeln und können uns später die Studien und Ergebnisse anschauen - da brauchen wir keine Vorstellung, sondern haben dann Fakten. Nach aktuellem Stand der Entwicklungsphasen werden die schon wissen, das die tun.

    Es gibt bereits Forschungen zu einer Jahresspritze - ich denke, all das werden wir noch erleben.

    Zu Pillen im Urlaub: davon halte ich nichts - die Mitnahme eines kühlpflichtigen Medikamentes soll doch möglich sein. Das schaffen Diabetiker doch auch.

    Ich bin gespannt, wie sehr Orforglipron am Ende wirklich ein Gamechanger wird. Es gibt eine große Gruppe von Menschen, für die eine Spritze entweder zu „medizinisch“ wirkt oder mit Angst und Phobie verbunden ist – und die sich deshalb bisher nicht trauen. Hinzu kommen die aktuell noch sehr hohen Kosten der Injektionspräparate.

    Tabletten sind da psychologisch eine ganz andere Hausnummer: Sie sind einfacher, vertraut, und fast jeder hat in seinem Leben schon einmal regelmäßig Tabletten eingenommen. Das senkt die Einstiegshürde deutlich. Wie viel günstiger der Preis am Ende tatsächlich wird, bleibt allerdings abzuwarten – die Nachfrage dürfte riesig sein, und die Gewinnspanne für Eli Lilly könnte bei Tabletten sogar noch höher ausfallen.

    Spannend wird auch, wie viele Menschen in der Erhaltungsphase von der Spritze auf eine tägliche Tabletteneinnahme wechseln wollen. Viele der aktuellen Nutzer sind inzwischen „spritzenerprobt“ und wissen, dass die Anwendung unkompliziert, selten und nahezu schmerzfrei ist. Wenn sich die Nebenwirkungen zwischen Tablette und Spritze tatsächlich nicht unterscheiden, ist der Wechsel kein Selbstläufer.

    Persönlich finde ich für die Erhaltung die Entwicklung von MariTide sogar noch interessanter: eine Monatsinjektion, die nur alle vier Wochen nötig ist. Für bestehende Spritzennutzer könnte das ein echter Gamechanger sein – weniger Aufwand, weniger Alltagspräsenz des Medikaments und trotzdem stabile Wirkung.

    Unterm Strich: Orforglipron hat enormes Potenzial für Neueinsteiger. Für erfahrene Anwender könnte jedoch die nächste Generation der Langzeit-Spritzen die spannendere Zukunft sein.

    Ich bin gerade eher zufällig über die neuen Daten zu Retatrutide gestolpert (Lillys „Triple-Agonist“ – also Nachfolger von Mounjaro/Tirzepatid) und wollte das hier mal teilen, weil die Ergebnisse wirklich heftig sind.


    Es geht um eine Phase-3-Studie, die Lilly jetzt veröffentlicht hat.

    Kurzfassung: Die Leute haben im Schnitt rund 29 % ihres Körpergewichts verloren. Das sind im Durchschnitt über 70 Pfund (also ca. 32 kg). Und das über 68 Wochen. Zum Vergleich: In der Placebogruppe waren es gerade mal zwei Prozent.

    Zusätzlich wurde das Ganze bei Leuten mit Knie-Arthrose getestet – und auch da gab es deutliche Verbesserungen bei Schmerzen und Beweglichkeit.

    Das Besondere an dem Zeug: Es ist nicht „nur“ ein GLP-1 oder wie Mounjaro ein Dual-Agonist, sondern greift gleich an drei verschiedenen Hormonrezeptoren an. Scheint wohl richtig Wumms zu haben, wenn die Daten so bleiben.

    Falls jemand die Quelle lesen will:

    https://investor.lilly.com/news-releases/news-release-details/lillys-triple-agonist-retatrutide-delivered-weight-loss-average


    Mal sehen, wie die weiteren Studien aussehen – aber wenn das so bleibt, dann ist das ein weiterer Gamechanger.

    Ich bin auf eine wichtige Veröffentlichung in JAMA gestoßen (WHO-Empfehlung zu GLP-1) und wollte die Kurzfassung hier lassen, weil das aus meiner Sicht wirklich ein Meilenstein ist:

    https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2842199

    Die WHO bewertet GLP-1 jetzt ausdrücklich als medizinische Therapie bei Adipositas – nicht nur bei Diabetes. Bedeutet im Klartext: Adipositas wird international als chronische, behandlungsbedürftige Krankheit eingeordnet und GLP-1 als Medikament (also medizinische Behandlung) und nicht als Lifestyle-„Abnehmspritze“ oder Social-Media-Hype.

    Und das hat zwei Dimensionen:

    weniger Stigma gegenüber Betroffenen

    GLP-1 wird in den globalen medizinischen Standard überführt

    Wichtig: In Deutschland zahlen die Krankenkassen GLP-1 bisher nur bei Diabetes, nicht bei Adipositas. Die WHO-Bewertung erhöht jetzt aber ganz klar den Druck auf Politik und Krankenkassen, die zukünftige Kostenübernahme neu zu diskutieren. Kurzfristig ändert das noch nichts, aber langfristig ist es ein relevanter Schritt in Richtung Erstattung auch bei Adipositas-Indikation.

    Kurz: WHO sagt ganz klar Krankheit + medizinische Therapie und genau das wird die Diskussion über Zugänge, Finanzierung und Versorgung in Deutschland verändern.

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