Was ist Adipositas?
Adipositas wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als eine chronische Krankheit eingestuft. Es handelt sich dabei nicht primär um ein ästhetisches Problem oder fehlende Disziplin, sondern um eine komplexe Stoffwechselerkrankung.
Klassifikation nach BMI
Das Maß zur Einteilung ist meist der Body-Mass-Index (BMI). Die Formel lautet:
Körpergewicht (in kg) geteilt durch Körpergröße (in m) zum Quadrat. Das Ergebnis wird in kg/m² angegeben und dient zur groben Einschätzung des Körpergewichts.
| BMI (kg/m2) | Klassifikation | Risiko für Begleiterkrankungen |
|---|---|---|
| 18,5 – 24,9 | Normalgewicht | Durchschnittlich |
| 25 – 29,9 | Übergewicht (Präadipositas) | Gering erhöht |
| 30 – 34,9 | Adipositas Grad I | Erhöht |
| 35 – 39,9 | Adipositas Grad II | Hoch |
| ≥ 40 | Adipositas Grad III (Permagna) | Sehr hoch |
Wichtiger Hinweis: Der BMI ist ein guter Richtwert, unterscheidet aber nicht zwischen Fett- und Muskelmasse. Bei sehr muskulösen Menschen kann der BMI hoch sein, ohne dass eine Adipositas vorliegt.
Ursachen
Die Entstehung ist fast immer multifaktoriell (viele Faktoren spielen zusammen):
- Energiebilanz: Dauerhafte Aufnahme von mehr Kalorien, als der Körper verbraucht.
- Genetik: Die Veranlagung spielt eine große Rolle dabei, wie der Körper Fett speichert und wie Sättigungssignale verarbeitet werden.
- Lebensstil: Bewegungsmangel (sitzende Tätigkeit) und hochkalorische Ernährung (Zucker, Fast Food).
- Psychische Faktoren: Stress, Depressionen oder Essen als Emotionsregulation.
- Umwelt/Schlafmangel: Schlafmangel beeinflusst Hungerhormone (Ghrelin und Leptin) negativ.
- Medikamente/Erkrankungen: Bestimmte Medikamente (z.B. Antidepressiva, Kortison) oder Erkrankungen (z.B. Schilddrüsenunterfunktion) können Gewichtszunahme begünstigen.
Gesundheitliche Folgen
Adipositas erhöht das Risiko für viele Folgeerkrankungen erheblich:
- Stoffwechsel: Typ-2-Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Gicht.
- Herz-Kreislauf: Bluthochdruck, Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall.
- Orthopädie: Gelenkverschleiß (Arthrose), Rückenschmerzen.
- Atmung: Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf), Kurzatmigkeit.
- Psyche: Depressionen, geringes Selbstwertgefühl, soziale Stigmatisierung.
Behandlungssäulen (Multimodales Konzept)
Eine erfolgreiche Therapie besteht selten aus einer "Diät", sondern aus einer dauerhaften Lebensstiländerung, oft basierend auf drei Säulen:
- Ernährungstherapie: Umstellung auf eine ausgewogene, kalorienreduzierte Kost (keine radikalen Crash-Diäten).
- Bewegungstherapie: Steigerung der Alltagsaktivität und gezieltes Training.
- Verhaltenstherapie: Erlernen von Strategien zur Stressbewältigung und Analyse des Essverhaltens.
In schweren Fällen (oft ab BMI 35 oder 40) kommen auch medikamentöse Therapien (z.B. GLP-1-Rezeptoragonisten/"Abnehmspritze") oder chirurgische Maßnahmen (Magenbypass, Schlauchmagen) infrage.