Wirkungsweise und Funktion: Im Gegensatz zu Leptin schwankt der Ghrelinspiegel im Tagesverlauf stark und orientiert sich an den Mahlzeiten: Wenn der Magen leer ist, steigt die Ghrelinausschüttung drastisch an. Das Hormon gelangt über die Blutbahn zum Gehirn (Hypothalamus) und signalisiert: „Der Körper braucht Energie.“ Dies löst das typische Hungergefühl aus, regt den Appetit an und bereitet den Magen-Darm-Trakt auf die Verdauung vor. Sobald Nahrung aufgenommen wird und der Magen sich dehnt, fällt der Ghrelinspiegel wieder rapide ab.
Die Tücke bei Diäten und Gewichtsverlust: Ghrelin ist einer der Hauptgründe, warum das Halten eines Kaloriendefizits oft so schwerfällt. Bei einer Gewichtsabnahme oder während einer Diät schüttet der Körper chronisch mehr Ghrelin aus, um die vermeintliche Hungersnot zu bekämpfen. Selbst nach monatlicher Diät kann der Spiegel erhöht bleiben, was zu dauerhaftem, intensivem Hunger führt und maßgeblich zum bekannten Jo-Jo-Effekt beiträgt.
Zusätzliche Funktionen im Körper: Neben seiner Hauptrolle als Appetitanreger hat Ghrelin noch weitere wichtige Aufgaben im Organismus:
- Magen-Darm-Trakt: Es fördert die Magenbeweglichkeit (Motilität) und die Ausschüttung von Magensäure.
- Belohnungssystem: Es erhöht die Attraktivität von besonders kalorienreichen Lebensmitteln (Fett und Zucker), indem es das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert.
- Schutzfunktion: Es ist eng mit dem Schlaf-Wach-Rhythmus verknüpft – Schlafmangel führt nachweislich zu einem erhöhten Ghrelinspiegel, was den Heißhunger am Folgetag erklärt.