GLP-1-Rezeptor-Agonisten solltest du vor Operationen absetzen!
Zur Wirkung von Glucagon-like-Peptide-1(GLP-1)-Agonisten gehört auch, dass sie die Entleerung deines Magens verlangsamen. Das bereitet Anästhesisten Kopfzerbrechen, denn Fallberichte und erste Studien schildern, dass trotz Nüchternheit Mageninhalt während Operationen wieder aufstoßen kann. Die zuständigen deutschen Fachgesellschaften haben jetzt reagiert und empfehlen eine klare Medikamentenpause vor elektiven Eingriffen.
Verzögerte Magenentleerung unter GLP-1-Agonisten: Fluch und Segen
Die Antidiabetika entfalten ihre Wirkung als Analoga am Rezeptor des Glucagon-like-Peptide 1, das im Magen-Darm-Trakt gebildet wird. Das setzt mehr Insulin und weniger Glucagon frei, reduziert den Appetit und führt so zur besseren Blutzuckerkontrolle und Gewichtsabnahme. Auch dein Magen entleert sich langsamer, was ebenfalls zur antidiabetischen Wirkung beiträgt.
Doch diese verzögerte Magenentleerung beunruhigt Anästhesisten weltweit. Es tauchten immer wieder Fallberichte auf, die ein Zurückfließen von Mageninhalt (Regurgitation) während operativer Eingriffe unter GLP-1-Agonisten schilderten. Ein bekanntes Beispiel ist der Fall einer 48-jährigen Patientin in Kanada. Obwohl sie sich an die Nüchternheitsregeln hielt, stieß sie während der OP „ein großes Volumen an Mageninhalt” wieder auf. Der einzige Anhaltspunkt war ihre Therapie mit wöchentlichem Semaglutid.
Was die Fallberichte andeuteten, zeigte kürzlich auch eine Querschnittstudie, die im Fachjournal JAMA Surgery veröffentlicht wurde. Bei mehr als der Hälfte (56 %) der mit GLP-1-Agonisten behandelten Patienten wurden im Ultraschall vermehrte Nahrungsrückstände im Magen festgestellt, obwohl sie nüchtern waren. Die Wirkstoffe erhöhten die Prävalenz von erhöhten Nahrungsresten um 30 %.
Das Problem während der OP: Aspirationsgefahr
Der aufsteigende Mageninhalt kann während einer Operation in die Lunge gelangen und im schlimmsten Fall zu einer gefährlichen Aspirationspneumonie führen. Eine retrospektive Studie errechnete in den Daten von knapp einer Million Patienten ein um ein Drittel erhöhtes Risiko für eine solche Lungenentzündung durch die GLP-1-Agonisten.
Fachgesellschaften reagieren: Klare Empfehlungen zum Absetzen
Auch wenn die Datenlage noch eingeschränkt ist, haben die American Society of Anesthesiologists und jetzt auch die deutschen Fachgesellschaften (Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Deutsche Gesellschaft für Chirurgie, Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin) klare Empfehlungen herausgegeben:
- Täglich eingenommene GLP-1-Agonisten (z. B. Semaglutid zum Einnehmen) sollen am Tag der OP nicht angewendet werden.
- Einmal wöchentlich angewendete GLP-1-Agonisten (z. B. Semaglutid zur Injektion) sollen spätestens eine Woche vor der Operation das letzte Mal gespritzt werden.
Diese Empfehlungen gelten unabhängig davon, ob du das Mittel gegen Typ-2-Diabetes oder zur Gewichtsreduktion nutzt.
Wichtig: Wurde das Medikament nicht abgesetzt oder hast du gastrointestinale Symptome wie Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen, wirst du als nicht nüchtern angesehen. In diesem Fall muss das Risiko individuell beurteilt und der elektive Eingriff gegebenenfalls verschoben werden.
Experten betonen, dass die zunehmende Verbreitung von GLP-1-Agonisten ein differenziertes Vorgehen bei der präoperativen Risikoevaluation erfordert. Die Abstimmung zwischen dir, deinem Hausarzt und dem OP-Team wird in der Vorbereitung einer Operation immer wichtiger.