Essen als Trost aufhören: Warum die Leere danach so real ist

  • Matze hat einen neuen Artikel veröffentlicht:

    Matze
    12. Juli 2026 um 07:17

    Zitat
    Essen als Trost aufzugeben fühlt sich für viele leichter an, als es tatsächlich ist. Sobald die Food Noise unter GLP-1-Medikamenten verstummt, wird oft eine Frage laut, die vorher nie gestellt werden musste: Wer bin ich, wenn Essen nicht mehr meine automatische Antwort auf schwierige Gefühle ist?

    Gruß Matze

    The world has music for those who listen

  • Danke für den Artikel zu dem Thema! Tatsächlich drückt er genau das aus, was ich seit dem Jahr, in dem ich jetzt Mounjaro nehme, empfinde.

    Für mich war das Essen schon immer eine Überlebensstrategie, emotionale Stütze, Hilfe, Trost, sozusagen meine beste verlässlichste Freundin. Immer da, immer verfügbar.

    Sämtliche Therapien wie Gesprächstherapie und Verhaltenstherapie haben daran nichts geändert. Kam ich von der Therapiestunde nach Hause, wartete meine Freundin verlässlich auf mich.

    Gleichzeitig war sie meine schlimmste Feindin und das wusste ich auch. Sie hatte mich im Würge- und Klammergriff, dauernder innerer Kampf, Schuld- und Schamgefühle, Selbsthass, psychische und gesundheitliche Selbstzerstörung. Aber ohne sie zu leben war mir nicht möglich. Ich brauchte sie, um meine Gefühle "aushalten" zu können, ja, wie um "überleben" zu können.

    Nun ist sie auf einmal still geworden. Natürlich fehlt sie mir! Was sollte mich jetzt trösten? Mich "füllen", mir Entspannung, Beruhigung, Belohnung und Beschäftigung verschaffen? Woran sollte ich denken, wenn nicht mehr ans Essen?

    Wie sehr ich das Essen zur Gefühlsregulation gebraucht habe (und schon noch immer brauche), spüre ich seitdem sehr. Hierfür nach und nach "Ersatz" oder vielmehr gute Alternativen zu finden, das braucht Zeit! Nach all den Jahrzehnten, im Grunde seit früher Kindheit.

    Immer wieder mal schaut sie um die Ecke, meine beste Freundin, insbesondere abends. Oder in Stresssituationen oder wenn ich emotional zu kämpfen habe. Meine Probleme sind ja nicht "weg", meine inneren Dämonen auch nicht. "Ich bin da" sagt sie dann "ich warte auf dich". Nicht immer kann ich widerstehen.

    Manchmal blinzelt jetzt dann aber auch so ein Funken Freiheit um die Ecke: nicht zwanghaft essen zu MÜSSEN. Die Wahl zu haben. Sie wieder fortschicken zu können. Das ging all die Jahre vorher nicht.

    Mal schauen, wie es weitergeht! Schön, dass hier Platz für diese Themen ist<3

  • Zur Zeit bin ich nah am Wasser gebaut, die Regulierung durch Essen fehlt mir. Seit 50 Jahren habe ich auf die Frage: Was könnten sie anstelle von Essen tun? keine Antwort.

    Das Verlangen ist nicht weg, es wird mir übel, wenn ich die Menge und Art des Essens zu mir nehme.

    Also mache ich es nicht und lerne, daß Essen wirklich böse ist.

    Das ist doch eigentlich nicht, wie Wegovy wirken soll.

  • Emotionales Essen ist bei mir weniger ein Problem- aber Alkohol als Stimmungsaufheller, zur Entspannung hat deutlich Suchtpotential bei mir. Obwohl ich inzwischen weiss, dass der gar nicht entspannt und ich dann die ganze Nacht einen irrsinnig hohen Puls davon bekomme.
    Ist unter Mounjaro aber auch weg! Das hat eindeutig auch Potential bei anderen Süchten wie Alkohol zu helfen.

    Studie hierzu: https://www.nature.com/articles/s41598-025-17927-w

    Geht nicht - gibt´s nicht 8o

    Einmal editiert, zuletzt von Astrantia (12. August 2026 um 12:10) aus folgendem Grund: Studie hinzugefügt

  • NannyOgg ..... Es tut mir leid, dass es Dir so geht.

    Wenn Essen ein Trost war, kann dir die Spritze nur bedingt helfen. Die Wirkung ist, dass du deutlich weniger Hunger hast. Deine "Sucht" (bitte entschuldige das böse Wort) stoppt das nicht.

    Ich denke, dass die hier am besten Dein Arzt oder ein Psychologe helfen kann.

    Ich drück dich!

    Lg

  • NannyOgg

    Ich kann dich gut verstehen <3. Bei mir ist es auch so.

    Es ist für mich ein langer (vielleicht sogar lebenslanger) Prozess, zu lernen, dass Essen weder Antwort, Hilfe, Trost in allen Lebenslagen, noch aber böse ist.

    Diesen Kampf führe ich ja seit Jahrzehnten: Essen als beste Freundin- schlimmste Feindin zugleich. Diese Erkenntnis verdanke ich übrigens einer Psychotherapie, was mir einiges klar gemacht hat. Aber: diese Erkenntnis allein konnte mich nicht davon befreien.

    Erst die Behandlung mit Mounjaro hat mich in die Lage versetzt, überhaupt zu erkennen, dass es eine Wahlmöglichkeit gibt, und dass das Essen weder emotionale Freundin noch böse Feindin ist.

    Vielleicht wäre es gut, jetzt mit MJ (oder Wegovy) eine Psychotherapie zu machen?!

    Für mich kommt das aktuell jetzt nicht in Frage, aber es hilft mir im Moment, mir zuzugestegen: ich habe bald 6 Jahrzehnte in den alten Mustern gelebt, wie soll das in einem Jahr bereits komplett anders sein? Das geht nicht.

    Dafür langsam mit kleinen Schritten und Geduld (hab ich im Grunde nicht;)) und auch Rückschlägen, die dazu gehören, neu lernen mit Essen ( und insbesondere meinen Gefühlen!) umzugehen.

    Und mit gegenseitigem Mutmachen<3

  • Ich habe während einer Ernährungsberatung festgestellt, dass es mit "essen sie weniger" nicht getan ist. Es konnte mir nicht erklären, warum ich essen konnte, ohne Übelkeit zu verspüren, auch wenn ich übervoll war. Ich habe der Therapeutin versucht zu erklären, dass ich mich wie eine Coladose im Klammergriff fühle, die von außen stark gequetscht wird und das Essen der Gegendruck war. Ich habe nun 6 Jahre Therapie hinter mir. Das Bingen ist deutlich besser geworden, aber nicht so gut, dass ich abgenommen habe. Mir wurde nun nach so langer Zeit gesagt, dass ich nach einem Traumatherapeuten gucken soll. Das hätte man mir bereits vor Jahren sagen können, denn ich habe das schon ziemlich lange vermutet und auch geäußert.

    Das Food Noise war trotz aller Erkenntnisse immer da. Und jetzt habe ich mich entschlossen mir Hilfe in einemAdipositaszentrum zu holen. Allerdings würde ich mir hier ein ähnliches Programm oder Begleitung ähnlich wie bei dem Plan eines bariatrischen Eingriffs wünschen. Manchmal sind Menschen so neben der Spur, dass man ihnen die Hand reichen muss und bei der Hand nehmen muss.

  • Ich habe letztes Jahr das Optifast 52 Programm in einem Adipositaszentrum absolviert.

    12 Wochen nur Shaken, 5 x am Tag, plus Sport, Ernährungstherapie und Psychologen.

    Gehe noch regelmäßig zur Nachsorge.

    Aber es hilft nicht gegen Sättigungsgefühl und Foodnoise.

    Selbst nach 12 Wochen nur Flüssignahrung konnte ich danach wieder zu gut essen und ein paar Kilos kamen zurück.

  • Deine "Sucht" (bitte entschuldige das böse Wort) stoppt das nicht.

    Sucht ist kein böses Wort, sondern Realität. Laut Studien soll ja gerade der Suchtdruck, das Craving, verringert werden. Alkoholiker z.B. trinken weniger, was dabei nur teilweise hilft, da hier Abstinenz das Ziel ist. Beim Essen geht das nun mal nicht

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