Der Preprint einer neuen Studie *) beschäftigt sich mit der Frage, zu welchen Kosten die Massenproduktion von Semaglutid als Generikum möglich sein könnte.
2026 läuft das Hauptpatent für den Wirkstoff Semaglutid in 10 Ländern aus (z.B. Brasilien, China, Indien, Südafrika, Türkei, Mexiko und Kanada), in weiteren 150 Ländern war gar kein Patent angemeldet worden, u.a. in den meisten afrikanischen Ländern, aber auch in den meisten Länder Osteuropas (sh. Karte). Bis Ende 2026 ist daher der Vertrieb von generisch produziertem Semaglutid in diesen 160 Ländern theoretisch möglich. Ein komplexes Netz von über 100 später angemeldeten sekundären Patenten, z.B. für Arzneimittelformulierung, Dosierungen, die Indikation Adipositas oder den Pen als Gerät zur Injektion, kann diesen Zeitpunkt aber de facto noch lange hinausschieben, bis in die 2030er Jahre, einzelne Patente laufen sogar bis Anfang der 2040er Jahre.
Die Forschenden betonen, dass eine günstigere Produktion den Zugang für Millionen Menschen verbessern könnte, besonders in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen, wo Übergewicht und Diabetes überproportional häufig sind.
Univ. Prof. François Venter in Johannesburg zieht den Vergleich zu anderen essentiellen Arzneien:
Zitat„Medikamente zur Behandlung von HIV, Tuberkulose, Malaria und Hepatitis sind in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu Preisen erhältlich, die nahe an den Produktionskosten liegen. Dadurch werden Millionen von Menschenleben gerettet, während Generikahersteller ausreichende Gewinne erzielen können, um eine nachhaltige Versorgung sicherzustellen. Diese medizinische Erfolgsgeschichte können wir mit Semaglutid wiederholen.“
Gleichzeitig warnen die Forscher: Medikamente allein werden die Ursachen von Fettleibigkeit – etwa Armut, schlechte Ernährung oder fehlende Bewegung – nicht lösen. Es braucht zusätzlich gesundheitspolitische Maßnahmen und Änderungen im Ernährungssystem.