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  • Zu viel des Guten? Warum Patienten das neue Abnehm-Medikament Retatrutide absetzen

    • Matze
    • 20. Februar 2026 um 08:01
    • 255 Mal gelesen
    • 17 Antworten
    Das neue Abnehm-Medikament Retatrutide bricht in klinischen Studien derzeit alle Rekorde, doch paradoxerweise brechen viele Patienten die Behandlung vorzeitig ab. Erfahre hier, warum der extreme Gewichtsverlust durch den revolutionären Dreifach-Hormon-Ansatz für Körper und Psyche oftmals schlichtweg zu viel des Guten ist.
    Lesezeit: 5 Minuten
    Inhaltsverzeichnis [VerbergenAnzeigen]
    1. Die Evolution der Abnehmspritzen: Ein medizinischer Quantensprung
    2. "Triple G": Der dreifache, ultimative Angriff auf die Fettzellen
    3. Die Triumph-4-Studie: Zahlen, die selbst erfahrene Mediziner fassungslos machen
    4. Das Paradoxon: Warum steigen die Leute aus, wenn es doch so unfassbar gut funktioniert?
      1. Der enorme psychologische Schock des schnellen Abnehmens
      2. Der entscheidende Einfluss des Startgewichts (BMI)
    5. Nebenwirkungen: Der physische Preis für das Triple-G-Wunder
    6. Der immense Beifang: Eine massive Erlösung für schmerzende Gelenke
    7. Der Stand der Dinge im Jahr 2026: Sicherheit und Dosierung im Praxisalltag
      1. FAQ: Häufige Fragen zu Retatrutide
      2. Über die Quellen & Wissenschaftliche Einordnung

    Stell dir vor, es gäbe ein medizinisches Präparat, das dir genau das gibt, was du dir nach jahrelangen, frustrierenden Diäten, Jojo-Effekten und unzähligen sportlichen Rückschlägen immer gewünscht hast: einen massiven, kontinuierlichen und beinahe mühelosen Gewichtsverlust. Es klingt wie der absolute Heilige Gral für Millionen von Menschen, die weltweit an Adipositas (Fettleibigkeit) leiden. Doch genau an diesem Punkt nimmt die Geschichte in der Welt der modernen Stoffwechselmedizin eine völlig unerwartete, fast schon paradoxe Wendung.

    In den neuesten klinischen Studien zu einem experimentellen Medikament namens Retatrutide – entwickelt vom Pharmariesen Eli Lilly – ist etwas Verblüffendes passiert. Die Teilnehmer verloren so viel Gewicht, und das in einem derart rasanten Tempo, dass ein signifikanter Teil von ihnen buchstäblich die Reißleine zog und die Studie vorzeitig abbrach. Sie stiegen aus, weil ihnen das Ausmaß des Gewichtsverlusts schlichtweg unheimlich wurde oder sie die spezifischen körperlichen Begleiterscheinungen nicht mehr in ihren Alltag integrieren konnten.

    Lass uns gemeinsam einen tiefen Blick in die revolutionäre Wissenschaft hinter Retatrutide werfen, die Ergebnisse der aktuellen Studien analysieren und der spannenden Frage nachgehen: Kann man tatsächlich zu viel und zu schnellabnehmen?

    Die Evolution der Abnehmspritzen: Ein medizinischer Quantensprung

    Um zu verstehen, warum Retatrutide in Fachkreisen als absolute Sensation (und für manche Patienten als echter Schock) gilt, müssen wir die jüngste medizinische Geschichte betrachten. Die Welt der Gewichtsreduktion wurde in den letzten Jahren durch eine völlig neue Klasse von Medikamenten auf den Kopf gestellt. Jahrelang galten klassische Appetitzügler als riskant, mit starken Nebenwirkungen auf das Herz-Kreislauf-System behaftet und auf lange Sicht wenig effektiv. Doch dann kamen die sogenannten GLP-1-Rezeptor-Agonisten.

    Wirkstoffe wie Semaglutid (weltbekannt unter den Markennamen Ozempic oder Wegovy) machten den revolutionären Anfang. Sie ahmen ein natürlich vorkommendes Darmhormon nach, das dem Gehirn nach einer Mahlzeit Sättigung signalisiert und gleichzeitig die Magenentleerung verlangsamt. Plötzlich war der ständige Heißhunger weg, und die Patienten aßen automatisch weniger.

    Darauf folgte zeitnah die nächste Generation: Tirzepatid (vermarktet als Mounjaro oder Zepbound), ebenfalls aus dem Hause Eli Lilly. Hier wurde das Hormon GLP-1 mit einem zweiten Hormon, dem GIP, kombiniert. Das Ergebnis war ein noch stärkerer und nachhaltigerer Gewichtsverlust, da nun zwei verschiedene Stoffwechselwege gleichzeitig im Körper optimiert wurden. In groß angelegten klinischen Studien verloren Patienten hier nach 72 Wochen Behandlungsdauer im Durchschnitt etwa 15 bis 21 % ihres Ausgangsgewichts. Das allein war bereits ein medizinischer Meilenstein, der die Behandlung von Adipositas grundlegend veränderte.

    Doch Retatrutide geht nun noch einen gewaltigen, bisher beispiellosen Schritt weiter.

    "Triple G": Der dreifache, ultimative Angriff auf die Fettzellen

    Retatrutide hat in Mediziner- und Forscherkreisen sehr schnell den treffenden Spitznamen „Triple G“ verliehen bekommen. Der Grund dafür ist seine einzigartige, hochkomplexe pharmakologische Zusammensetzung. Es spricht nicht nur ein oder zwei, sondern gleich drei verschiedene Hormonsysteme im menschlichen Körper simultan an:

    1. GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1): Dieses Hormon zügelt den Appetit drastisch, dämpft das ständige, oft unbewusste Verlangen nach Essen (in der Psychologie als "Food Noise" bezeichnet) und sorgt dafür, dass Nahrung deutlich länger im Magen verbleibt. Du fühlst dich mit viel kleineren Portionen schneller und vor allem länger satt.
    2. GIP (Gastric Inhibitory Polypeptide): Dieses Hormon unterstützt nicht nur die sättigende Wirkung von GLP-1, sondern verbessert auch signifikant die Art und Weise, wie dein Körper Zucker verarbeitet. Es optimiert die Insulinreaktion und reguliert die Fettspeicherung im Gewebe positiv.
    3. Glucagon: Hier liegt die eigentliche, bahnbrechende Innovation von Retatrutide. Glucagon ist der natürliche Gegenspieler von Insulin. Während Insulin den Blutzuckerspiegel senkt und dem Körper den biochemischen Befehl gibt, überschüssige Energie als Fettgewebe zu speichern, signalisiert Glucagon genau das Gegenteil. Es weist die Leber und die Fettzellen an, gespeicherte Energie freizusetzen und zu verbrennen. Es erhöht buchstäblich deinen Grundumsatz und deinen täglichen Energieverbrauch, selbst wenn du körperlich inaktiv bist.

    Mit Retatrutide erhält der Körper also eine Substanz, die ihm einerseits signalisiert, dass er absolut keinen Hunger hat (durch GLP-1 und GIP), während sie gleichzeitig den "inneren Ofen" hochdreht, um massiv Kalorien zu verbrennen (durch Glucagon). Das Resultat dieser synergetischen Kombination ist schlichtweg astronomisch und sucht in der bisherigen Pharmaziegeschichte ihresgleichen.

    Die Triumph-4-Studie: Zahlen, die selbst erfahrene Mediziner fassungslos machen

    Die aktuellsten und brisantesten Daten zu diesem Wirkstoff stammen aus einer groß angelegten klinischen Phase-3-Studie namens „Triumph-4“. Eli Lilly testete hier Retatrutide unter strengen wissenschaftlichen Auflagen an 445 Personen. Alle Teilnehmer hatten zwei spezifische gesundheitliche Gemeinsamkeiten: Sie waren fettleibig (adipös) oder stark übergewichtig und litten zusätzlich an diagnostizierter Kniearthrose, einer sehr schmerzhaften degenerativen Gelenkerkrankung, die durch mechanische Überbelastung (Übergewicht) stark verschlimmert wird.

    Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip in verschiedene Gruppen eingeteilt und erhielten über einen Zeitraum von 68 Wochen entweder ein Placebo (ein wirkungsloses Scheinmedikament) oder einmal wöchentlich eine Injektion mit Retatrutide in unterschiedlichen Dosierungen (die niedrigere 9-mg-Dosis oder die absolute Höchstdosis von 12 mg).

    Die Studienergebnisse nach etwas mehr als einem Jahr waren beispiellos:

    • Patienten, die die 9-mg-Dosis bis zum Ende abschlossen, verloren durchschnittlich 26,4 % ihres gesamten Körpergewichts (das entsprach in dieser Gruppe etwa 29 Kilogramm).
    • Patienten in der höchsten 12-mg-Gruppe verloren unglaubliche 28,7 % ihres Körpergewichts (über 32 Kilogramm im Durchschnitt).

    Diese extremen Zahlen katapultieren Retatrutide in eine völlig eigene Liga. Ein Gewichtsverlust von fast 30 % durch eine bloße Spritze pro Woche geht weit über das hinaus, was alle bisherigen, ohnehin schon erfolgreichen Medikamente auf dem Markt leisten.

    Die Adipositas-Expertin Dr. Jennah Siwak ordnet diese Datenlage prägnant ein: "Dies geht über das hinaus, was wir bei allen anderen Medikamenten auf dem Markt sehen, und das ist es, was wir bei einigen bariatrischen Operationen sehen. Das ist verrückt."

    Das Paradoxon: Warum steigen die Leute aus, wenn es doch so unfassbar gut funktioniert?

    Jetzt kommen wir zum faszinierendsten und für viele unerwartetsten Teil der Triumph-4-Studie. Man sollte als Außenstehender meinen, dass Menschen, die stark an Adipositas und begleitenden Gelenkschmerzen leiden und endlich so effektiv abnehmen, diese Therapie jubelnd bis zum letzten Tag durchziehen wollen. Doch die Realität in den Testzentren sah vollkommen anders aus. Längst nicht jeder schaffte es bis zur Ziellinie.

    • In der höchsten Dosisgruppe (12 mg) brachen satte 18,2 % der Teilnehmer die Studie aufgrund unerwünschter Ereignisse vorzeitig ab.
    • In der mittleren Dosisgruppe (9 mg) waren es immerhin noch 12,2 %.
    • In der Placebo-Gruppe hörten hingegen nur reguläre 4 % vor dem regulären Ende auf.

    Um diese Zahlen richtig einzuordnen: Beim direkten Vorgängermedikament Zepbound (Tirzepatid) lag die Abbrecherquote in einer vergleichbaren Phase-3-Studie in der höchsten Dosisgruppe bei lediglich 6,2 %. Warum also dieses massenhafte Aussteigen bei Retatrutide?

    Eli Lilly veröffentlichte in den vorläufigen Studienberichten einen sehr aufschlussreichen und psychologisch hochinteressanten Grund: Ein Teil der Abbrüche war explizit auf einen „wahrgenommenen übermäßigen Gewichtsverlust“ zurückzuführen.

    Der enorme psychologische Schock des schnellen Abnehmens

    Wenn du dein ganzes Leben lang – oder zumindest über viele Jahre hinweg – ein bestimmtes Gewicht und eine bestimmte Körperform hattest, ist dieser Körperbau eng mit deiner eigenen Identität verknüpft. Der Verlust von fast einem Drittel deines Körpergewichts in nur 68 Wochen ist ein massiver Schock für dein gesamtes System – sowohl rein physisch als auch tiefenpsychologisch.

    Einige Teilnehmer fühlten sich schlichtweg unwohl dabei, wie dünn sie plötzlich wurden. Wenn das Fett derart rasant schmilzt, kann das paradoxerweise zu einem anhaltenden Gefühl der körperlichen Schwäche oder Fragilität führen. Zudem verändert sich das Spiegelbild so schnell, dass die menschliche Psyche oft nicht in der gleichen Geschwindigkeit hinterherkommt.

    Dies kann zu vorübergehenden Formen der Körperdysmorphie führen, bei der das Gehirn das neue, stark verschlankte Spiegelbild nicht richtig verarbeiten oder als "das eigene Ich" akzeptieren kann. Auch sehr reale ästhetische und mechanische Faktoren spielen eine Rolle: Bei einem so extremen Gewichtsverlust in so kurzer Zeit bildet sich die menschliche Haut oft nicht schnell genug zurück. Dies führt zu überschüssigen, hängenden Hautlappen an Bauch, Armen und Beinen, die neue körperliche Beschwerden und enorme emotionale Belastungen mit sich bringen.

    Der entscheidende Einfluss des Startgewichts (BMI)

    Interessanterweise wies das Pharmaunternehmen in der Datenanalyse darauf hin, dass die Abbrüche extrem stark mit dem anfänglichen Body-Mass-Index (BMI) der Patienten korrelierten. Beschränkte man die Datenanalyse ausschließlich auf Personen mit einem BMI von 35 oder höher (was einer Adipositas Grad 2 entspricht), sanken die Abbrecherquoten sofort auf 8,8 % (für die 9-mg-Dosis) und 12,1 % (für die 12-mg-Dosis). Das ist zwar immer noch etwas höher als bei Zepbound, ergibt aber logisch absolut Sinn: Wer mit 160 Kilo in die Behandlung startet, für den ist ein Gewichtsverlust von 40 Kilo ein rein positiver, absolut lebensverändernder Schritt in Richtung Normalität. Wer aber "nur" mit 90 Kilo startet und plötzlich 30 Kilo verliert, für den fühlt sich der rasante Gewichtsverlust im Alltag schnell bedrohlich an.

    Nebenwirkungen: Der physische Preis für das Triple-G-Wunder

    Neben der schieren Geschwindigkeit des Abnehmens gab es noch handfeste medizinische und physische Gründe, warum Teilnehmer das Handtuch warfen. Wer derart massiv medikamentös in den komplexen Stoffwechsel eingreift, bekommt das unweigerlich zu spüren.

    Magen-Darm-Beschwerden: Wie bei allen GLP-1-basierten Medikamenten war das Verdauungssystem extrem gefordert. Übelkeit, Durchfall, hartnäckige Verstopfung, Erbrechen und ein teils drastisch verminderter Appetit gehörten zu den häufigsten Begleiterscheinungen. Isst man aus reiner Gewohnheit auch nur geringfügig über seinen (nun sehr kleinen) tatsächlichen Hunger hinaus, reagiert der Körper oft mit heftiger, langanhaltender Übelkeit.

    Dysästhesie – Das mysteriöse Kribbeln unter der Haut: Bei Retatrutide tauchte noch eine sehr spezifische, für viele extrem irritierende Nebenwirkung auf, die bei anderen Präparaten deutlich seltener vorkommt: die sogenannte Dysästhesie. Dabei handelt es sich um eine neurologische Missempfindung. Patienten berichteten von einem unangenehmen Kribbeln, unerklärlichen Taubheitsgefühlen oder sogar einem leichten, aber beständigen Brennen auf der Haut.

    • Bei der 12-mg-Dosis war etwa jeder fünfte Patient (ca. 20 %) davon betroffen.
    • Bei der 9-mg-Dosis immerhin noch jeder dreizehnte Patient.

    Obwohl die Studienleitung betonte, dass die meisten dieser Fälle ärztlich als "mild" eingestuft wurden, mindert eine ständige, unerklärliche Überempfindlichkeit der Haut die Lebensqualität im Alltag enorm.

    Der immense Beifang: Eine massive Erlösung für schmerzende Gelenke

    Trotz der Abbrüche dürfen wir einen enormen positiven Aspekt der Triumph-4-Studie nicht ignorieren, der für die Zukunft der Orthopädie wegweisend ist. Alle Teilnehmer dieser spezifischen Studie litten an Kniearthrose.

    Die mechanische Entlastung der Gelenke durch den extremen Gewichtsverlust war absolut phänomenal. Bei den Teilnehmern, die Retatrutide einnahmen, sanken die von ihnen gemeldeten Schmerzwerte im Knie um atemberaubende 75 %. Zum Vergleich: In der Placebo-Gruppe sanken die Schmerzen lediglich um rund 40 %.

    Für Menschen mit schwerer Fettleibigkeit und starker Arthrose bedeutet das in der Praxis oft den Unterschied zwischen einem stark eingeschränkten Leben im Rollstuhl und der neu gewonnenen Fähigkeit, wieder völlig schmerzfrei spazieren zu gehen. Retatrutide könnte für sie bedeuten, dass schwere, riskante und teure Gelenkersatz-Operationen in Zukunft komplett vermieden werden können.

    Der Stand der Dinge im Jahr 2026: Sicherheit und Dosierung im Praxisalltag

    Was lernen wir also aus den detaillierten Daten der Triumph-4-Studie? Retatrutide ist extrem potent. Vielleicht sogar zupotent für Menschen, die eigentlich nur ein paar hartnäckige Kilos verlieren wollen.

    Es ist enorm wichtig zu betonen: Retatrutide befindet sich auch im laufenden Jahr 2026 weiterhin in strengen klinischen Prüfungen. Für dieses Jahr werden die finalen Auswertungen von sieben weiteren Phase-3-Studien erwartet. Erst wenn diese ausgewertet sind, wird sich zeigen, ob und unter welchen strengen Auflagen das "Triple G"-Medikament eine offizielle Marktzulassung durch Behörden erhält.

    In der realen Welt, außerhalb der strengen Vorgaben einer klinischen Doppelblindstudie, werden behandelnde Ärzte die essenzielle Freiheit haben, viel individueller zu reagieren. In der Studie mussten sich die Teilnehmer oft strikt an den vordefinierten, starren Dosierungsplan halten – was viele letztlich zum Abbruch zwang. In der späteren ärztlichen Praxis hingegen kann der Arzt die Dosis jederzeit individuell anpassen, das Medikament vorübergehend pausieren oder das Zeitintervall zwischen den wöchentlichen Spritzen vergrößern.

    Die neue, viel anspruchsvollere Aufgabe der Medizin wird es sein, im Dialog zwischen Arzt und Patient herauszufinden, wie wir dieses immense Abnehm-Tempo präzise kontrollieren, damit Körper, Psyche und Seele auf dieser rasanten Reise gesund bleiben.


    FAQ: Häufige Fragen zu Retatrutide

    1. Was ist der Unterschied zwischen Retatrutide und Medikamenten wie Ozempic oder Zepbound? Während Ozempic (Semaglutid) nur ein Hormon (GLP-1) nachahmt und Zepbound (Tirzepatid) zwei Hormone (GLP-1 und GIP) kombiniert, geht Retatrutide einen Schritt weiter. Es ist ein sogenannter Dreifach-Agonist ("Triple G") und nutzt zusätzlich das Hormon Glucagon. Dadurch zügelt es nicht nur den Appetit, sondern erhöht auch aktiv die Fettverbrennung und den Energieumsatz im Körper.

    2. Warum brechen Patienten die Studie ab, obwohl sie so gut abnehmen? Der Gewichtsverlust durch Retatrutide ist extrem stark und rasant. In Studien haben einige Teilnehmer abgebrochen, weil sie sich mit der drastischen körperlichen Veränderung unwohl fühlten (wahrgenommener übermäßiger Gewichtsverlust). Zudem können Nebenwirkungen wie starke Magen-Darm-Probleme oder ein unangenehmes Kribbeln auf der Haut (Dysästhesie) auftreten, die den Alltag belasten.

    3. Wann kommt Retatrutide auf den Markt? Aktuell (Stand 2026) ist Retatrutide noch ein experimentelles Medikament und nicht für die Allgemeinheit zugelassen. Es befindet sich derzeit in den entscheidenden klinischen Phase-3-Studien. Die finalen Auswertungen dieser Studien werden im Laufe dieses Jahres erwartet. Erst danach entscheiden Behörden über eine mögliche Marktzulassung.

    4. Ist Retatrutide auch geeignet, wenn ich nur 5 oder 10 Kilo abnehmen möchte? Nein. Retatrutide ist ein hochpotentes Medikament, das speziell für Menschen mit starkem Übergewicht (Adipositas) und oft begleitenden gesundheitlichen Problemen (wie schwerer Kniearthrose) entwickelt wird. Für den Verlust von ein paar wenigen „Wohlfühlkilos“ ist die Wirkung viel zu stark und das medizinische Risiko nicht verhältnismäßig.

    Über die Quellen & Wissenschaftliche Einordnung

    Dieser Artikel stützt sich auf die Veröffentlichungen und Datenanalysen der Triumph-4-Studie (Phase 3).

    • Herstellerdaten: Offizielle Studiendatenbank und Publikationen von Eli Lilly and Company zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von Retatrutide bei Teilnehmern mit Adipositas und Kniearthrose.
    • Experten-Einschätzungen: Zitate und fachliche Einordnungen von Dr. Jennah Siwak (Adipositas-Expertin) sowie offizielle Stellungnahmen von Dr. Kenneth Custer (Lilly Cardiometabolic Health) zu den Top-Line-Ergebnissen.
    • Vergleichswerte: Die historischen Abbrecherquoten und Wirksamkeitsdaten stammen aus den vorangegangenen Phase-3-Studien zu Tirzepatid (Zepbound/Mounjaro), um eine verlässliche wissenschaftliche Vergleichsbasis zu schaffen.
    • Abnehmspritze
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    • Gewichtsverlust
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    • Adipositas Medikament
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    • Triumph-4 Studie
    • Zepbound Alternative
    • zu schnelles Abnehmen
    • Dysästhesie

    Über den Autor

    Mathias Köster | Gründer des GLP-1 Forums

    Ich bin kein Arzt – sondern Patient. Seit Februar 2025 nehme ich Mounjaro, verschrieben und begleitet von meinem Diabetologen. In dieser Zeit habe ich 41 kg abgenommen und über 16 Monate direkte Therapieerfahrung gesammelt.

    Aus dieser Erfahrung heraus habe ich das GLP-1 Forum gegründet – weil eine deutschsprachige Community für ehrlichen Erfahrungsaustausch fehlte.

    Alle Artikel recherchiere ich anhand von Studien aus PubMed, Fachinformationen der Hersteller sowie offiziellen Quellen wie BfArM, EMA und der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Die verwendeten Quellen sind am Artikelende vollständig aufgeführt und verlinkt. Inhaltliche Verantwortung liegt vollständig bei mir.

    Dieses Forum ist kein medizinischer Rat. Es ist ein Ort für ehrlichen Erfahrungsaustausch – unabhängig, ohne Pharmaunternehmen im Hintergrund.

    Matze Forenleitung

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    Antworten 17

    Diane
    20. Februar 2026 um 08:48

    Die Psyche ist nicht zu unterschätzen und nicht jeder Mensch kann sich vorstellen, wie schwerwiegend es sein kann immens viel in kurzer Zeit abzunehmen. Die unendlichen Hautlappen wäre auch ein Thema bei mir, möchte mir das gar nicht vorstellen, wie gravierend mich das stören würde.

    tomcat
    20. Februar 2026 um 09:53

    Wenn es Retatrutid heute schon gäbe, und ich vor der Entscheidung gestanden hätte, dann wäre das wahrscheinlich meine Wahl gewesen. (Wegen der besten Wirkung)

    Wenn ich mein Gewichtsziel mit Mounjaro erreicht habe oder kurz davor bin, mich quasi schon in einem Erhaltungsmodus befinde, würde ich mich sehr schwer tun, auf ein anderes besser wirkendes Medikament umzusteigen. Also nach dem Motto "Never change a running system".

    Ich würde zumindestens über eine lange Zeit beobachten, wie es anderen Usern nach einem Umstieg ging, bevor ich eine Entscheidung treffen würde.

    Netti
    20. Februar 2026 um 10:28

    Klingt für mich total spannend, da ich tatsächlich nicht nur 5-10 kg abnehmen muss und die Knie mir seit Jahren doll Probleme bereiten. Nachdem ich mich für die Abnehmspritze entschieden hatte, war für mich klar, es muss Munjaro sein. Meine Ärztin hat mir aber erstmal Wegovy verschrieben, weil sie mit ihren Patienten da gute Erfolge hat. Es funktioniert auch. Trotzdem frage ich mich manchmal, ob Munjaro noch besser funktionieren würde. Für mich wären noch schnellere Erfolge traumhaft, einfach schon damit ich mich endlich wieder mehr bewegen kann und überhaupt an Sport zu denken ist. Hautlappen werde ich eh haben, egal wie schnell oder langsam ich abnehme.

    Matze
    20. Februar 2026 um 11:47

    Ich denke nicht das bei 5-10 kg Hautlappen hängen werden. Aber warum willst Du mit Kanonen auf Spatzen schiessen? Bei 5-10 kg würde ich auch Wegovy nehmen, weil es günstiger ist. Warum willst Du so schnell große erfolge sehen? Aus Ungeduld? Bist Du Dir dann sicher das sich deine. Knieprobleme mit 5-10 kg weniger legen werden?

    Wenn das Knie Kaputt ist und kein Knorpel mehr vorhaben ist, bringt auch Gewichtsverlust nicht viel.
    Ich habe das alles hinter mir. Kortison und Hyaloron ins Knie spritzen lassen über Jahre. Erfolg hatte da nur der Arzt, weil ich es bezahlt habe und sein Portemonee dicker wurde.
    Das ende war dann doch ein neues Knie und jetzt kann ich sagen, jetzt ist alles gut.

    Netti
    20. Februar 2026 um 11:53
    Zitat von Matze

    Ich denke nicht das bei 5-10 kg Hautlappen hängen werden. Aber warum willst Du mit Kanonen auf Spatzen schiessen? Bei 5-10 kg würde ich auch Wegovy nehmen, weil es günstiger ist. Warum willst Du so schnell große erfolge sehen? Aus Ungeduld? Bist Du Dir dann sicher das sich deine. Knieprobleme mit 5-10 kg weniger legen werden?

    Wenn das Knie Kaputt ist und kein Knorpel mehr vorhaben ist, bringt auch Gewichtsverlust nicht viel.
    Ich habe das alles hinter mir. Kortison und Hyaloron ins Knie spritzen lassen über Jahre. Erfolg hatte da nur der Arzt, weil ich es bezahlt habe und sein Portemonee dicker wurde.
    Das ende war dann doch ein neues Knie und jetzt kann ich sagen, jetzt ist alles gut.

    Eben. Aber bei mir sind es eben nicht nur 5-10 kg, sondern eher noch so 100 kg. 😒

    Matze
    20. Februar 2026 um 12:03

    Sorry überlesen Du hast nicht nur geschrieben. Kommt davon, wenn man nebenbei ne Steuerklärung macht und nicht ganz bei der Sache ist.

    Netti
    20. Februar 2026 um 12:22
    Zitat von Matze

    Sorry überlesen Du hast nicht nur geschrieben. Kommt davon, wenn man nebenbei ne Steuerklärung macht und nicht ganz bei der Sache ist.

    😂 nicht schlimm. Steuererklärung ist wichtig. Muss ich auch noch machen. Kann man die Kosten für die Spritze eigentlich absetzen? 🤔

    Diane
    20. Februar 2026 um 12:29
    Zitat von Netti

    😂 nicht schlimm. Steuererklärung ist wichtig. Muss ich auch noch machen. Kann man die Kosten für die Spritze eigentlich absetzen? 🤔

    Ja, wenn du über den Pauschwert der außergewöhnlichen Belastung an Zuzahlungen kommst. Der liegt je nach Einkommen bei 1-7 % Eigenanteil deines Jahreseinkommens.

    Netti
    20. Februar 2026 um 12:38

    Ach cool, dann sammle ich mal fleissig Belege. Vielleicht komm ich ja am Ende des Jahres dahin 😀. Danke schön

    Matze
    20. Februar 2026 um 13:32

    Ich komme leider nicht über den Pauschalbetrag hinweg.

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