GLP-1-Medikamente Anwendungsgebiete: Diese sieben Krankheiten könnten Semaglutid und Tirzepatid bald behandeln
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Matze -
25. Oktober 2025 um 13:19 -
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Zuletzt aktualisiert: 5. Juli 2026 um 13:44
Lesezeit: 9 Minuten
🔄 Zuletzt aktualisiert: Juni 2026 – Dieser Artikel verbindet Erfahrungsberichte aus der Community mit Studienergebnissen aus NEJM, Lancet und JAMA Psychiatry und wurde an die aktuelle Zulassungslage angepasst.
Wenn es um GLP-1-Medikamente geht, denken die meisten zuerst an die Waage. Doch die Liste möglicher GLP-1-Medikamente Anwendungsgebiete ist inzwischen deutlich länger geworden, seit Semaglutid und Tirzepatid in großen Studien zu Herz, Niere und Leber untersucht wurden. Wir schauen uns an, was davon inzwischen belegt, zugelassen oder auch wieder verworfen wurde.
⚠️ Wichtiger medizinischer Hinweis
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlungsentscheidung zu den hier genannten Begleiterkrankungen wie Herzinsuffizienz, Nierenerkrankung oder Alzheimer.
Sprich mögliche zusätzliche Einsatzgebiete von Semaglutid oder Tirzepatid immer zuerst mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab, bevor du eigenmächtig etwas an deiner Therapie änderst.
📌 Auf einen Blick
- Herz-Kreislauf-Schutz durch Semaglutid ist seit 2024 eine zugelassene Zusatzindikation (SELECT-Studie)
- Seit August 2025 ist Semaglutid (Wegovy) in den USA für die Lebererkrankung MASH zugelassen (ESSENCE-Studie)
- Ozempic ist seit Januar 2025 in den USA zusätzlich bei chronischer Nierenerkrankung zugelassen (FLOW-Studie)
- Tirzepatid zeigt in der SUMMIT-Studie deutliche Vorteile bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion, aber noch ohne eigene Zulassung dafür
- Die Hoffnung auf einen Alzheimer-Schutz hat sich 2025 nicht bestätigt: Die EVOKE-Studien zeigten keinen Effekt
- Erste kleine Studien zu Alkoholverlangen und Stimmung sind vielversprechend, aber Semaglutid ist dafür bislang nicht zugelassen
📋 Inhaltsverzeichnis▼
Herz-Kreislauf-Erkrankungen: der am besten belegte Zusatznutzen
Semaglutid senkt bei Menschen mit Adipositas und bestehender Herzerkrankung nachweislich das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder kardiovaskulären Tod – unabhängig davon, ob gleichzeitig ein Diabetes vorliegt. Das ist heute keine Vermutung mehr, sondern eine zugelassene Indikation.
Was die SELECT-Studie gezeigt hat
Die SELECT-Studie hat genau das untersucht: Über 17.000 Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas und vorbestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung, aber ohne Diabetes, erhielten Semaglutid oder Placebo.[1] Das Ergebnis: ein deutlich reduziertes Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse. Was das bedeutet: Die EU-Zulassungsbehörde EMA hat diesen Zusatznutzen inzwischen offiziell anerkannt – Semaglutid ist damit nicht nur ein Mittel gegen das Gewicht auf der Waage, sondern eine anerkannte Herzschutz-Therapie bei entsprechendem Risikoprofil. Auch GIP/GLP-1-Kombiwirkstoffe wie das in der Erprobung befindliche Orforglipron zeigen in ersten Auswertungen positive Effekte auf kardiovaskuläre Risikomarker, auch wenn hier noch keine Endpunktstudie in der Größenordnung von SELECT vorliegt.
Herzinsuffizienz: Tirzepatid hilft bei einer schwer behandelbaren Form
Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion, medizinisch HFpEF genannt, ist eine Form der Herzschwäche, bei der das Herz zwar noch kräftig genug pumpt, sich zwischen den Schlägen aber nicht mehr richtig entspannt. Sie gilt als besonders schwer therapierbar und tritt gehäuft bei Menschen mit Adipositas auf.
Die SUMMIT-Studie im Detail
In der SUMMIT-Studie erhielten 731 Menschen mit HFpEF und Adipositas entweder Tirzepatid oder Placebo. Nach im Schnitt zwei Jahren war unter Tirzepatid das Risiko für Herzinsuffizienz-Ereignisse oder kardiovaskulären Tod um 38 Prozent geringer.[2] Was das bedeutet: Konkret bekamen unter Placebo deutlich mehr Teilnehmende eine Verschlechterung ihrer Herzschwäche als unter Tirzepatid – und der Effekt zeigte sich schon nach drei bis vier Monaten. Fachgesellschaften bezeichnen die Daten als praxisverändernd, eine eigene Zulassungserweiterung für die Indikation Herzinsuffizienz gibt es aber bisher weder in den USA noch in der EU. Bis dahin bleibt der Nutzen ein Nebeneffekt der Gewichtsreduktion bei Adipositas, nicht eine eigenständige Therapieoption.
Chronische Nierenerkrankung: erste offizielle Zulassungserweiterung
Diabetes ist eine der häufigsten Ursachen für eine chronische Nierenerkrankung, und genau hier hat Semaglutid inzwischen einen offiziellen Fuß in der Tür: Seit Januar 2025 ist Ozempic in den USA zusätzlich zur Verlangsamung einer chronischen Nierenerkrankung bei Typ-2-Diabetes zugelassen.[3]
Was die FLOW-Studie belegt hat
Grundlage war die FLOW-Studie mit über 3.500 Teilnehmenden mit Typ-2-Diabetes und bereits bestehender Nierenschädigung. Unter wöchentlichem Semaglutid sank das Risiko für schweres Nierenversagen, starken Funktionsverlust oder Tod durch Nieren- oder Herzursachen um 24 Prozent gegenüber Placebo.[3] Was das bedeutet: Für dich als Betroffenen heißt das nicht automatisch, dass du eine gesunde Niere hast, nur weil du Semaglutid nimmst – aber bei bereits bestehender Nierenschädigung und Diabetes kann die Substanz das Fortschreiten nachweislich bremsen. In Kombination mit SGLT-2-Hemmern lässt sich der Nierenschutz bei Typ-2-Diabetes laut aktuellen Daten sogar noch verstärken. In Europa liegt der EMA bislang kein Antrag für eine entsprechende Zulassungserweiterung vor.
Kurz gesagt: Bei Herz, Niere und Leber ist der Zusatznutzen von Semaglutid und Tirzepatid inzwischen in großen Studien belegt – teils sogar schon offiziell zugelassen. Bei Gehirn-Erkrankungen sieht die Datenlage dagegen deutlich gemischter aus, wie die nächsten Abschnitte zeigen.
Lebererkrankung MASH: die erste GLP-1-Zulassung für die Leber
Seit August 2025 ist Semaglutid (Wegovy) in den USA beschleunigt für Erwachsene mit MASH und mittelschwerer bis fortgeschrittener Fettleber-Fibrose zugelassen – die erste GLP-1-Therapie überhaupt mit dieser Indikation.[4] Das ist ein deutlicher Fortschritt gegenüber dem Stand vor wenigen Jahren, als MASH noch reine Forschungsfrage war.
Was die ESSENCE-Studie zeigt
In der zugrundeliegenden ESSENCE-Studie erreichten 63 Prozent der mit Semaglutid behandelten Personen eine Rückbildung der Leberentzündung ohne Verschlechterung der Fibrose, gegenüber 34 Prozent unter Placebo.[4] Was das bedeutet: Für Betroffene mit dokumentierter MASH ist das erstmals eine medikamentöse Option, die über reine Gewichtsreduktion hinausgeht. Die Zulassung ist allerdings vorläufig und an die Bestätigung der Ergebnisse im weiteren Studienverlauf geknüpft, in Deutschland ist die Indikation bislang nicht erteilt. Mehr Hintergrund dazu findest du in unserem Artikel zur MASH-Studie ESSENCE.
Neurologische Erkrankungen: die Alzheimer-Hoffnung hat sich nicht bestätigt
Lange galt die mögliche Wirkung von GLP-1-Medikamenten auf das Gehirn als einer der spannendsten Forschungsbereiche überhaupt. Die Idee: Wenn Semaglutid Entzündungsprozesse im Gehirn dämpfen kann, könnte es auch das Fortschreiten von Alzheimer verlangsamen. Diese Hoffnung musste 2025 deutlich relativiert werden.
Was die EVOKE-Studien tatsächlich ergeben haben
In den beiden großen Phase-3-Studien evoke und evoke+ erhielten insgesamt 3.808 Menschen mit früher Alzheimer-Erkrankung über zwei Jahre orales Semaglutid oder Placebo. Ergebnis im November 2025: Semaglutid verlangsamte das Fortschreiten der Erkrankung nicht messbar gegenüber Placebo.[5] Was das bedeutet: Die Verträglichkeit war zwar gut und einzelne Alzheimer-Biomarker verbesserten sich leicht, doch das reichte nicht aus, um den klinischen Verlauf der Erkrankung zu verändern. Ein Grund könnte laut Fachleuten sein, dass der Wirkstoff das Gehirn in ausreichender Menge gar nicht erreicht. Novo Nordisk hat die Verlängerungsphase beider Studien daraufhin eingestellt. Für Parkinson und andere neurodegenerative Erkrankungen laufen zwar weiterhin kleinere Untersuchungen, belastbare positive Ergebnisse in dieser Größenordnung liegen aber bislang nicht vor.
Sucht und Substanzkonsumstörungen: kleine Studien, große Aufmerksamkeit
Viele in der Community berichten schon länger, dass ihr Verlangen nach Alkohol oder Nikotin unter der Therapie spürbar nachlässt. Das hat inzwischen auch die Wissenschaft aufgegriffen – mit ersten kontrollierten Studien statt nur Erfahrungsberichten.
Was die Studien zu Alkohol zeigen
In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie mit 48 Erwachsenen mit Alkoholgebrauchsstörung senkte niedrig dosiertes Semaglutid über neun Wochen sowohl das Alkoholverlangen als auch die tatsächlich konsumierte Menge in einem Labortest.[6] Was das bedeutet: 48 Personen sind eine kleine Stichprobe, und eine völlige Abstinenz wurde damit nicht erreicht – aber für eine frühe klinische Studie sind die gemessenen Effekte bemerkenswert deutlich. Für Nikotin ist die Datenlage bislang dünner, auch wenn mehrere Beobachtungsstudien reduzierte Rauchmengen unter der Therapie berichten. Zugelassen ist Semaglutid für Suchterkrankungen bislang in keinem Fall – wer aktiv unter seinem Alkohol- oder Nikotinkonsum leidet, sollte sich zusätzlich gezielt suchtmedizinisch beraten lassen. Mehr zum aktuellen Forschungsstand liest du in unserem Beitrag darüber, wie GLP-1-Medikamente unser Gehirn umprogrammieren, und in unserem Artikel zu GLP-1 und Binge-Eating-Störung.
Psychische Erkrankungen: mehr als nur die Freude über Gewichtsverlust
Körper und Psyche hängen eng zusammen, und viele Menschen berichten unter GLP-1-Therapie nicht nur von weniger Gewicht, sondern auch von einem ruhigeren Kopf. Die ständigen, aufdringlichen Gedanken an Essen, in der Community oft als food noise bezeichnet, lassen bei vielen spürbar nach.
Was zu Angst und Depression bekannt ist
Beobachtungsstudien deuten auf leicht verbesserte Stimmungswerte unter GLP-1-Therapie hin, direkte, große Interventionsstudien zu Depression und Angst stehen aber noch aus.[7] Was das bedeutet: Ein ruhigerer Kopf beim Thema Essen ist nicht dasselbe wie eine Behandlung von Depressionen oder Angststörungen – die beobachteten Effekte sind vermutlich zu einem guten Teil eine Folge davon, dass ständiges Gedankenkreisen ums Essen und der oft belastende Kampf mit dem eigenen Gewicht wegfallen. Wer neben der Therapie unter spürbaren depressiven Symptomen leidet, sollte das unabhängig davon fachlich abklären lassen, denn in Einzelfällen wurden unter GLP-1-Medikamenten auch Verschlechterungen der Stimmung berichtet. Mehr zu diesem oft übersehenen Thema findest du in unserem Artikel über die Hoffnungsschimmer gegen Angst und Depressionen sowie in unserem Beitrag zu psychischen Folgen von GLP-1.
Häufige Fragen aus der Community
Kann ich mir Mounjaro extra wegen meiner Nieren oder meines Herzens verschreiben lassen?
In Deutschland richtet sich die Verordnung nach der jeweils gültigen Zulassung, aktuell also Diabetes und Adipositas. Zusatznutzen bei Herz oder Niere können bei der Therapieentscheidung mit einfließen, sind aber bislang kein eigenständiger Verordnungsgrund.
Warum enttäuscht mich das Alzheimer-Ergebnis so sehr, obwohl es mich selbst gar nicht betrifft?
Das ist eine nachvollziehbare Reaktion, viele in der Community hatten auf einen weiteren Durchbruch gehofft. Negative Studienergebnisse sind trotzdem wichtig, weil sie die Forschung ehrlich halten und Ressourcen auf vielversprechendere Ansätze lenken.
Sollte ich wegen meines Alkoholkonsums extra um Semaglutid bitten?
Nein, dafür gibt es aktuell keine Zulassung. Bei belastendem Alkoholkonsum ist eine gezielte suchtmedizinische Beratung der richtige erste Schritt, unabhängig von einer möglichen GLP-1-Therapie.
- Lincoff AM, et al. (2023): Semaglutide and Cardiovascular Outcomes in Obesity without Diabetes (SELECT). New England Journal of Medicine
- Packer M, et al. (2025): Tirzepatide for Heart Failure with Preserved Ejection Fraction and Obesity (SUMMIT). New England Journal of Medicine
- Perkovic V, et al. (2024): Effects of Semaglutide on Chronic Kidney Disease in Patients with Type 2 Diabetes (FLOW). New England Journal of Medicine
- Sanyal AJ, et al. (2025): Semaglutide for Metabolic Dysfunction-Associated Steatohepatitis (ESSENCE). New England Journal of Medicine
- evoke and evoke+ Studiengruppe (2026): Efficacy and safety of oral semaglutide in early-stage symptomatic Alzheimer's disease. The Lancet
- Hendershot CS, et al. (2025): Once-Weekly Semaglutide in Adults With Alcohol Use Disorder: A Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry
- Deutsches Ärzteblatt (2025): Semaglutid könnte künftig auch Alkoholabhängigen helfen. aerzteblatt.de
Fazit: Bei Herz, Niere und Leber ist der Zusatznutzen von Semaglutid und Tirzepatid inzwischen so gut belegt, dass daraus teils schon echte Zulassungen geworden sind. Beim Gehirn ist die Bilanz gemischter: Die Alzheimer-Hoffnung hat sich nicht erfüllt, während erste Daten zu Sucht und Stimmung zumindest vorsichtigen Optimismus erlauben.
Frage an die Community: Hast du bei dir selbst einen Effekt bemerkt, der über die reine Gewichtsabnahme hinausging, etwa bei Alkoholverlangen, Stimmung oder Gelenkschmerzen? Schreib es uns in die Kommentare.
Über den Autor
Mathias Köster | Gründer des GLP-1 Forums
Ich bin kein Arzt – sondern Patient. Seit Februar 2025 nehme ich Mounjaro, verschrieben und begleitet von meinem Diabetologen. In dieser Zeit habe ich 41 kg abgenommen und über 16 Monate direkte Therapieerfahrung gesammelt.
Aus dieser Erfahrung heraus habe ich das GLP-1 Forum gegründet – weil eine deutschsprachige Community für ehrlichen Erfahrungsaustausch fehlte.
Alle Artikel recherchiere ich anhand von Studien aus PubMed, Fachinformationen der Hersteller sowie offiziellen Quellen wie BfArM, EMA und der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Die verwendeten Quellen sind am Artikelende vollständig aufgeführt und verlinkt. Inhaltliche Verantwortung liegt vollständig bei mir.
Dieses Forum ist kein medizinischer Rat. Es ist ein Ort für ehrlichen Erfahrungsaustausch – unabhängig, ohne Pharmaunternehmen im Hintergrund.
MatzeForenleitung
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