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  • Schlank, aber freudlos: Warum GLP-1-Medikamente emotionale Apathie auslösen können

    • Matze
    • 22. Februar 2026 um 10:24
    • 272 Mal gelesen
    • 7 Antworten
    Immer mehr Menschen verlieren durch Abnehmspritzen wie Ozempic, Wegovy oder Mounjaro zwar rasant an Gewicht, spüren aber plötzlich eine unerwartete emotionale Leere in ihrem Alltag. Finde heraus, warum diese modernen Medikamente neben dem Hungergefühl auch deine Lebensfreude dämpfen können und welche bewährten Strategien dir aus der Antriebslosigkeit helfen.
    Lesezeit: 4 Minuten
    Inhaltsverzeichnis [VerbergenAnzeigen]
    1. Wenn die Spritze nicht nur den Hunger, sondern auch die Lebensfreude dämpft: Unerwartete psychologische Effekte von GLP-1
    2. „Irgendwie ist alles nur noch grau“ – Stimmen von Betroffenen
    3. Die Biologie der Freude: Warum Essen und Dopamin untrennbar sind
    4. Der Weg tief ins Gehirn: Wenn das Belohnungssystem streikt
    5. Apathie oder nur Energiemangel? Die wichtige Unterscheidung
    6. Was du tun kannst: Konkrete Strategien gegen die Gefühlslosigkeit
      1. Radikal ehrliche Kommunikation mit deinem Arzt
      2. Baue dir neue Stress-Ventile auf
      3. Aktiviere dein Dopamin auf alternativen Wegen
      4. Pflege soziale Kontakte ohne Fokus auf Essen
    7. Fazit: Die Seele muss mit abnehmen
      1. Quellenangaben

    Wenn die Spritze nicht nur den Hunger, sondern auch die Lebensfreude dämpft: Unerwartete psychologische Effekte von GLP-1

    Immer mehr Menschen verlieren durch Abnehmspritzen nicht nur rasant an Gewicht, sondern plötzlich auch die Freude am Leben. Wir klären auf, warum Medikamente wie Ozempic oder Wegovy zu emotionaler Apathie führen können und wie du aus diesem mentalen Tief wieder herausfindest.

    GLP-1-Rezeptoragonisten haben in den letzten Jahren die Behandlung von Typ-2-Diabetes und Adipositas vollkommen auf den Kopf gestellt. Sie gelten als medizinischer Meilenstein, der die Kilos purzeln lässt und den ständigen Gedanken an Essen – den sogenannten „Food Noise“ – buchstäblich per Knopfdruck ausschaltet. Doch während das Internet und die Boulevardpresse die physischen Erfolge auf der Waage lautstark feiern, zeichnet sich im Hintergrund ein anderes, deutlich leiseres Bild ab.

    Wenn du dich aktuell auf einer solchen Therapie befindest oder jemanden kennst, der sie durchführt, hast du vielleicht schon bemerkt, dass sich neben dem Körperumfang noch etwas anderes verändert. Immer mehr Anwender berichten von einer Nebenwirkung, die tief in unsere menschliche Psyche eingreift: Eine Art emotionale Apathie, eine spürbare Antriebslosigkeit und der massive Verlust von Freude an Dingen, die früher glücklich gemacht haben. In der Fachsprache der Psychologie und Psychiatrie nennt man diesen Zustand Anhedonie.

    Aber was genau steckt hinter dieser emotionalen Abstumpfung? Wie hängen moderne Diabetes- und Abnehm-Medikamente und unsere tiefsten Gefühle zusammen? Und vor allem: Wie gehst du damit um, wenn du merkst, dass dein Alltag plötzlich seinen Glanz verliert?

    „Irgendwie ist alles nur noch grau“ – Stimmen von Betroffenen

    Wenn du dich durch Online-Foren, Reddit-Threads oder Selbsthilfegruppen klickst, stößt du schnell auf Erfahrungsberichte, die aufhorchen lassen. Unter dem inoffiziellen, von Usern geprägten Begriff der „Ozempic-Persönlichkeit“ fassen Patienten eine Reihe von psychologischen Veränderungen zusammen, die sich meist nicht über Nacht, sondern sehr schleichend einstellen.

    Ein typischer Erfahrungsbericht aus einem großen Patientenforum bringt es auf den Punkt:

    Zitat

    „Ich habe zwar in vier Monaten 15 Kilo abgenommen und meine Blutwerte sind fantastisch, aber irgendwie ist mir das völlig egal. Mir ist generell alles ein bisschen egal geworden. Ich treffe mich seltener mit Freunden, weil mich Restaurantbesuche stressen oder langweilen. Ich habe keine Lust mehr auf meine alten Hobbys und fühle mich einfach den ganzen Tag über emotional flach. Ich bin nicht traurig, aber ich bin auch nicht glücklich. Ich bin einfach nur da.“

    Diese Berichte zeichnen ein absolut paradoxes Bild der Therapie. Auf der einen Seite steht die gigantische Erleichterung: Der unkontrollierbare Drang nach Süßigkeiten verschwindet. Viele Menschen trinken plötzlich viel weniger oder gar keinen Alkohol mehr. Sogar das Verlangen nach Nikotin, impulsives Online-Shopping oder exzessives Gaming können unter der Medikation stark abnehmen.

    Auf der anderen Seite klagen Betroffene über eine dunkle Kehrseite:

    • Generelle Gefühlslosigkeit: Emotionale Extreme werden stark abgedämpft. Du erlebst weder große Euphorie noch tiefe Traurigkeit, sondern befindest dich in einem emotionalen Niemandsland.
    • Verlust von Belohnungsgefühlen: Das gemütliche Gläschen Wein am Wochenende, tiefgründige Gespräche, das Beenden eines großen Projekts im Job oder sogar körperliche Zärtlichkeit fühlen sich plötzlich weniger intensiv und belohnend an.
    • Fehlende Motivation: Es fällt extrem schwer, sich für alltägliche Aufgaben, Sport oder soziale Events aufzuraffen. Der innere Antrieb fehlt komplett.
    • Sozialer Rückzug: Da das gemeinsame Essen ein zentraler sozialer Klebstoff in unserer Gesellschaft ist, führt der Wegfall dieses Interesses bei einigen zu einer zunehmenden Isolation. Man sagt Verabredungen ab, weil der Restaurantbesuch keinen Reiz mehr ausübt.

    Die Biologie der Freude: Warum Essen und Dopamin untrennbar sind

    Um zu verstehen, warum ein Medikament, das primär für den Verdauungstrakt entwickelt wurde, plötzlich deine Stimmung kippen lässt, müssen wir einen Blick in die Evolution und in dein Gehirn werfen.

    Essen ist für uns Menschen nicht nur bloße Kalorienaufnahme zur Aufrechterhaltung der Körperfunktionen. Essen ist Überleben. Deshalb hat die Evolution dafür gesorgt, dass Nahrungsaufnahme extrem stark an unser zentrales Belohnungssystem gekoppelt ist. Essen macht uns glücklich, weil es uns am Leben hält.

    GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1) ist ein Hormon, das dein Körper natürlicherweise im Darm produziert, sobald du Nahrung zu dir nimmst. Es signalisiert dem Gehirn: „Wir sind satt, du kannst aufhören zu essen.“ Die modernen Medikamente ahmen genau dieses Hormon nach, wirken aber im Körper viel länger und deutlich intensiver als das natürliche Pendant.

    Der Weg tief ins Gehirn: Wenn das Belohnungssystem streikt

    Die Rezeptoren für GLP-1 sitzen keineswegs nur im Magen oder Darm. Sie befinden sich auch in entscheidenden Arealen deines Gehirns, insbesondere in der Area tegmentalis ventralis (VTA) und dem Nucleus accumbens. Diese Bereiche sind der absolute Kern unseres dopaminergen Systems.

    Dopamin ist der Neurotransmitter, der uns antreibt und motiviert. Es flüstert uns ins Ohr: „Das war gut, mach das nochmal!“ – egal ob es sich um ein saftiges Stück Pizza, einen Lottogewinn, ein tolles Konzert oder Lob vom Chef handelt.

    Wenn du nun ein hochdosiertes GLP-1-Medikament spritzt, dockt der Wirkstoff an diese Rezeptoren im Gehirn an und „dimmt“ die Dopaminausschüttung massiv herunter, die normalerweise durch Belohnungen ausgelöst wird. Das ist exakt der gewünschte Mechanismus, der dir hilft, den Heißhunger zu besiegen. Dein Gehirn belohnt dich einfach nicht mehr so stark für das Essen.

    Das gravierende Problem dabei: Unser Gehirn trennt nicht immer sauber zwischen den verschiedenen Belohnungsquellen. Wenn das dopaminerge System durch das Medikament insgesamt gedämpft wird, betrifft das oft nicht nur das Essen. Es betrifft dein ganzes Leben. Alles, was früher Spaß gemacht hat, liefert nun weniger Dopamin. Das Resultat ist die beschriebene Anhedonie.

    Apathie oder nur Energiemangel? Die wichtige Unterscheidung

    Es ist essenziell, zwischen zwei verschiedenen Zuständen zu unterscheiden, die unter GLP-1-Therapien auftreten können:

    MerkmalKörperlicher Energiemangel (Erschöpfung)Emotionale Apathie (Anhedonie)
    UrsacheStarkes Kaloriendefizit, zu wenig Nährstoffe oder Muskelabbau.Neurochemische Dämpfung des Dopamin-Belohnungssystems.
    GefühlslageDu willst Dinge tun (Kopf sagt Ja), aber dein Körper ist zu schwach oder zu müde.Dein Körper hätte die Kraft, aber du willst nicht (Kopf sagt Nein). Nichts reizt dich.
    EmotionenDu bist vielleicht frustriert oder gereizt wegen der Müdigkeit.Du bist gleichgültig. Weder Frust noch Freude sind stark ausgeprägt.

    Wenn du „nur“ erschöpft bist, hilft oft eine Anpassung der Ernährung (mehr Protein, ausreichend Kalorien). Wenn du jedoch unter Anhedonie leidest, musst du anders ansetzen.

    Was du tun kannst: Konkrete Strategien gegen die Gefühlslosigkeit

    Wenn du selbst merkst, dass die Spritze dir sprichwörtlich die Farben aus dem Alltag saugt, bist du dem nicht hilflos ausgeliefert. Hier sind bewährte Schritte, um deine mentale Balance wiederzufinden:

    1. Radikal ehrliche Kommunikation mit deinem Arzt

    Dies ist der wichtigste erste Schritt. Viele Patienten verschweigen ihre psychischen Probleme, weil sie Angst haben, das Medikament abgesetzt zu bekommen und wieder zuzunehmen. Das ist ein gefährlicher Trugschluss. Oft reicht schon eine minimale Reduktion der Dosis oder eine Streckung der Injektionsintervalle (natürlich nur in strikter Absprache mit dem Arzt), um das Dopaminsystem wieder etwas „atmen“ zu lassen, während der sättigende Effekt trotzdem erhalten bleibt.

    2. Baue dir neue Stress-Ventile auf

    Wenn du jahrelang emotional gegessen hast (Stressessen, Frustessen), war Nahrung dein primärer Coping-Mechanismus. Dieser Trostspender ist nun chemisch blockiert. Das hinterlässt eine gigantische Lücke in deiner emotionalen Regulation. Du musst aktiv neue Ventile finden. Das kann Meditation, das Schreiben eines Journals, Yoga oder das Erlernen einer Atemtechnik sein. Wenn du merkst, dass du diese Lücke allein nicht füllen kannst, scheue dich nicht, eine therapeutische Begleitung in Anspruch zu nehmen.

    3. Aktiviere dein Dopamin auf alternativen Wegen

    Da dein Belohnungssystem künstlich auf Sparflamme läuft, musst du es bewusster stimulieren. Auch wenn die Motivation anfangs stark fehlt, solltest du dich zu kleinen Dingen überwinden:

    • Kaltes Duschen: Studien zeigen, dass Kälteexposition den Dopaminspiegel im Gehirn lang anhaltend um bis zu 250 Prozent steigern kann.
    • Neue Reize setzen: Routine ist der Feind des Dopamins. Versuche etwas völlig Neues. Fahre einen anderen Weg zur Arbeit, höre ein neues Musikgenre oder lerne eine neue Fähigkeit. Das Gehirn reagiert auf Neuartigkeit mit einem Dopamin-Kick.
    • Mikro-Ziele: Setze dir extrem kleine Tagesziele und hake sie physisch auf einer Liste ab. Dieses „Abhaken“ triggert das Belohnungszentrum.

    4. Pflege soziale Kontakte ohne Fokus auf Essen

    Isoliere dich nicht, auch wenn dir nicht nach Menschenmassen ist. Der Trick ist, soziale Interaktionen neu zu definieren. Triff dich nicht zum ausgiebigen Dinner, sondern plane feste Verabredungen, bei denen Aktivitäten im Mittelpunkt stehen: Ein gemeinsamer Spaziergang im Wald, ein Besuch im Museum, ein Kinobesuch oder ein Spieleabend zu Hause.

    Fazit: Die Seele muss mit abnehmen

    GLP-1-Medikamente bieten Millionen von Menschen die echte Chance auf ein gesünderes Leben und durchbrechen jahrelange Teufelskreise aus Insulinresistenz und Übergewicht. Doch Körper und Geist sind untrennbar miteinander verbunden. Ein derart massiver Eingriff in den Stoffwechsel ist fast immer auch ein Eingriff in unsere Neurochemie.

    Die emotionale Apathie ist keine Einbildung, sondern ein reales, biochemisch erklärbares Phänomen, das ernst genommen werden muss. Es zeigt eindrucksvoll, wie wichtig es ist, bei einer solchen Therapie nicht nur auf die sinkenden Zahlen auf der Waage oder das Maßband zu schauen. Deine seelische Gesundheit ist genauso wichtig wie dein BMI. Achte auf die Signale deines Geistes genauso aufmerksam wie auf das Sättigungsgefühl in deinem Magen.

    Quellenangaben

    • Sharafshah, A., et al. (2025): "In Silico Pharmacogenomic Assessment of Glucagon-like Peptide-1 (GLP1) Agonists...", Current Neuropharmacology, Vol. 23. (Untersuchung genetischer Zusammenhänge zwischen GLP-1, Dopaminfunktion und möglichen depressiven Symptomen).
    • American Psychological Association (APA) Monitor (2025): "A new era of weight loss: Mental health effects of GLP-1 drugs". (Berichte von klinischen Psychologen über den „flachen Affekt“ und tiefgreifende Veränderungen im Belohnungssystem bei Patienten).
    • Science Advances (2025): Studien zur Kartierung des GLP-1-Schaltkreises zwischen Darm und Gehirn (vom Nucleus tractus solitarii zur Area tegmentalis ventralis) und dessen dämpfenden Einfluss auf Dopamin-Neuronen.
    • PillSorted Medical Review (2025): "Anhedonia from GLP-1 Injections". (Ausführliche Zusammenfassung klinischer Beobachtungen zu Motivationsverlust und emotionaler Abstumpfung unter Wirkstoffen wie Semaglutid und Tirzepatid).
    • GLP-1 Nebenwirkungen
    • Food Noise
    • Ozempic Psyche
    • emotionale Apathie
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    • Mounjaro Stimmung
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    Über den Autor

    Mathias Köster | Gründer des GLP-1 Forums

    Ich bin kein Arzt – sondern Patient. Seit Februar 2025 nehme ich Mounjaro, verschrieben und begleitet von meinem Diabetologen. In dieser Zeit habe ich 41 kg abgenommen und über 16 Monate direkte Therapieerfahrung gesammelt.

    Aus dieser Erfahrung heraus habe ich das GLP-1 Forum gegründet – weil eine deutschsprachige Community für ehrlichen Erfahrungsaustausch fehlte.

    Alle Artikel recherchiere ich anhand von Studien aus PubMed, Fachinformationen der Hersteller sowie offiziellen Quellen wie BfArM, EMA und der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Die verwendeten Quellen sind am Artikelende vollständig aufgeführt und verlinkt. Inhaltliche Verantwortung liegt vollständig bei mir.

    Dieses Forum ist kein medizinischer Rat. Es ist ein Ort für ehrlichen Erfahrungsaustausch – unabhängig, ohne Pharmaunternehmen im Hintergrund.

    Matze Forenleitung

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    Antworten 7

    Diane
    23. Februar 2026 um 08:47

    Achtsamkeit (Aufmerksamkeit) oder auch bewusstes Wahrnehmen ist ein wichtiges Thema, aber nicht nur unter Medikamenten.

    Lianae
    23. Februar 2026 um 11:22

    Das ist ein sehr wichtiges Thema!

    Dass insbesondere nach Adipositaschirurgie die stark erhöhte Suizidrate auffällig ist, ist ja lange bekannt (https://www.aerzteblatt.de/news/adiposita…fc-9a86707eca7b).
    Auch wenn ich selbst bisher immer weit entfernt von BMIs war, bei denen eine Adipositaschirurgie ernsthaft in Betracht gezogen worden wäre, so ist das ein Thema, welches mich schon länger sehr beschäftigt.
    Und mich dann ehrlich gesagt in der neuesten Zeit auch ernsthaft aufregte, dass die Krankenkasse immer noch relativ "leichtfertig" die Kosten für eine OP bezahlt, aber nicht die für Wegovy oder Mounjaro. Dadurch gibt es einfach viele Menschen, die schlicht aus Geldgründen zur bezahlten OP gezwungen werden, obwohl die Abnehmspritzen wahrscheinlich zum gleichen Erfolg führen würden (zumindest bei guter Begleitung mit Ernährungsberatung etc. und einer Off-Label-Anwendung, wo nicht pauschal jeden Monat um 2,5mg erhöht wird).

    Ich finde das unverantwortlich und frage mich auch, ob über diese erhöhte Suizidrate überhaupt ordentlich aufgeklärt wird, in den Vorgesprächen der OPs.

    Ich bin keine Psychologin, aber für mich klang das schon immer völlig logisch. Ich und sehr viele andere Menschen sind Stressesser. Du beschreibst das ja auch gut in deinem Artikel. Es gibt einfach Situationen im Leben, dagegen "hilft" quasi nur noch Schokolade. Zumindest wenn man da keinen Weg rausfindet. Aber das ist sicher kein Prozess von heute auf morgen. Wenn ich mir vorstelle, dass es mir gerade so richtig dreckig geht, mein Gehirn schreit laut nach Essen, ich will essen, aber es geht nicht, weil irgendjemand an meinem Magen rumgeschnippelt hat, das klingt für mich nach einer Horrorstory. Das wäre, wie wenn mir jemand meine gesunden Beine amputiert, weil ich in irgendeinem Schockmoment vor irgendetwas weggerannt bin, wovor ich nicht hätte wegrennen sollen und was auch objektiv nicht die schlaueste Idee war.

    Die Wirkstoffe hier ist aus meiner Sicht eine Revolution, weil man zwar essen kann, aber nicht will. Ganz unabhängig davon, dass die Abnehmspritze natürlich zusätzlich nicht invasiv ist und jederzeit abgesetzt werden kann. Für mich ein sehr großer Unterschied.

    Ein bisschen schade, aber auch hier irgendwie logisch, dass leider auch die Abnehmspritze bei manchen Menschen zu einem leereren und freudlosen Leben führt. Tatsächlich habe ich mir darüber auch schon vor meiner ersten Dosis Gedanken gemacht: was mache ich entspannendes mit der gesparten Zeit, in der ich vorher das Zeug in mich reingestopft habe, quasi außerplanmäßig zum Supermarkt oder sonntags zur Tankstelle oder zum Hauptbahnhof gegangen bin?

    tomcat
    23. Februar 2026 um 12:41
    Zitat von Lianae

    Und mich dann ehrlich gesagt in der neuesten Zeit auch ernsthaft aufregte, dass die Krankenkasse immer noch relativ "leichtfertig" die Kosten für eine OP bezahlt, aber nicht die für Wegovy oder Mounjaro

    In Deutschland sind ein Viertel der Erwachsenen stark übergewichtig (adipös; BMI ≥30 kg/m2), das sind 23% der Männer und 24% der Frauen.

    Ich würde es mir ja auch sehr wünschen, dass die Krankenkasse die Kosten für die GLP-1 Medikamente übernehmen würde, glaube aber nicht das es dazu kommen wird. Wenn alle die oben beschriebenen adipösen Erwachsenen, plus die nur leicht Übergewichtigen sich dann die Spritze auf Kassenrezept holen würden, dann kann das System der gesetzlichen Krankenkassen es nicht mehr stemmen. Es würde kolabieren. Daher kommt vermutlich die bisherige Zurückhaltung🤔

    Lianae
    23. Februar 2026 um 14:51

    Ich meinte ja gar nicht, dass die Krankenkassen von jedem adipösen die Kosten übernehmen sollte. Das ist Wunschdenken mit dem ich auch zur Zeit nicht rechne und was ich (leider) auch nachvollziehen kann.

    Aber ab einem bestimmten BMI (ab 40, meine ich? 🤔) werden ja auch die OP-Kosten übernommen und die ist mit Sicherheit auch nicht billig. Ich finde, wenn die Kosten für die OP übernommen werden würden, könnte man auch alternativ die Kosten für die Spritzen übernehmen. Man sollte aus meiner Sicht die Patienten mit den entsprechenden BMI zur Wahl stellen, ob Spritze oder OP.

    Dass ich, die zu Höchstzeiten "nur" einen BMI von 32 hatte, sowohl OP als auch Spritze selbst zahlen müsste bzw. muss, das kann ich leider schon nachvollziehen. Auch wenn ich mich rein egoistisch natürlich darüber freuen würde, es wäre anders.
    Die Zahl derer mit BMI über 40 (oder ab wann auch immer eine OP üblicherweise übernommen wird) ist dann doch deutlich geringer als alle über BMI 30.

    ShyMud846
    23. Februar 2026 um 15:05

    Es wird ja aktuell diskutiert, die Ausschlussliste für bestimmte Patienten mit gewissen Grunderkrankungen aufzuheben. Aber das dauert noch.

    Und nein, GLP1-RA sind nicht zwangsläufig günstiger als bariatrische Eingriffe…. Die Kosten zu Lasten der GKV sind - dank Fallpauschale - deutlich geringer als Selbstzahlerleistung, für die die GOÄ veranschlagt wird.

    ShyMud846
    23. Februar 2026 um 15:18
    Zitat von Lianae

    und einer Off-Label-Anwendung, wo nicht pauschal jeden Monat um 2,5mg erhöht wird

    Das hat nichts mit Off-Label-Use zu tun. Das ist Non Compliance des Patienten. Ein Off-Label-Use setzt voraus, dass das Präparat vom Arzt außerhalb der Zulassung und Indikation eingesetzt wird. Das betrifft aber nicht die Dosierung.
    Die abweichende Dosierung ist lediglich ein Abweichen vom Therapieschema. Es hat medizinisch-pharmakologische Gründe, weshalb die Dosierung bzw. das Schema in dieser Form zugelassen und festgelegt wurde.

    Und was die Therapiewahl angeht:
    Der Kassenpatient hat (leider) keinen Anspruch auf Behandlung nach Wunsch.
    Für Kassenpatienten gilt in der Behandlung nach wie vor das WANZ-Prinzip - durch das SGB vorgegeben. Die besagt, dass die Behandlung wirtschaftlich, ausreichend, notwendig und zweckmäßig sein muss. Nicht mehr, nicht weniger.

    Das wird sich auch in der Zukunft nicht ändern - im Gegenteil, da wird sicherlich noch einiges kommen.

    Lianae
    23. Februar 2026 um 21:26
    Zitat von NM90

    Es wird ja aktuell diskutiert, die Ausschlussliste für bestimmte Patienten mit gewissen Grunderkrankungen aufzuheben. Aber das dauert noch.

    Und nein, GLP1-RA sind nicht zwangsläufig günstiger als bariatrische Eingriffe…. Die Kosten zu Lasten der GKV sind - dank Fallpauschale - deutlich geringer als Selbstzahlerleistung, für die die GOÄ veranschlagt wird.

    Ich habe nirgends geschrieben, dass Medikamente günstiger wären, sondern lediglich, dass der Chirurg und die Assistenz mit Sicherheit auch nicht für Mindestlohn operiert und entsprechend auch einige Kosten anfallen.

    Aber egal, ich weiß jetzt gar nicht, warum wir so weit ins OT geschlittert sind. Mein Punkt war ja nur peripher die Übernahme der Kosten. Ich würde eigentlich gerne den Threadtitel, nämlich Freudlosigkeit, (Verstärkung von vorhandener?) Depressionen, erhöhte Suizidraten etc. beim Gewichtsverlust (wird dann ja nicht nur baratrische OPs und GLP1-Medikamente betreffen, sondern auch der reguläre Gewichtsverlust ohne Unterstützung). Ich empfinde das einfach als sehr wichtiges Thema, die erhöhte Suizidrate durch bariatrische OPs empfinde ich als Katastrophe und zu unbekannt in der Bevölkerung. Ich bin hier wirklich sehr gespannt, wie die Statistik in Zukunft bei Medikamenten sein wird. Ich hoffe, deutlich besser als bei OPs und angesichts dessen, dass man beim einen essen kann, aber nicht will, beim nächsten essen will, aber nicht kann, halte ich das auch für realistisch. Aber in die Zukunft blicken kann ich nicht. Gerne würde mich hierzu eure Meinung und "Prognose" interessieren.
    Die Übernahme der Krankenkasse stört mich zwar auch, aber auf diesem Nebenthema wollte ich trotzdem nicht rumreiten. Ist jetzt sowieso wie es ist, und für mich persönlich rechne ich da in den nächsten 10 Jahren ohnehin nicht mit einer relevanten Änderung.
    Aber eine erhöhte Suizidrate und Freudlosigkeit mit fällt mir schwer, einfach mit "is so" abzuhaken. Darüber muss gesprochen werden. Ich werde bei Zeiten mal nach Statistiken dazu bei regulärer Abnahme suchen. Mal sehen ob es sowas gibt.

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