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  • Abnehmen trotz Antidepressiva. Was bei Gewichtszunahme durch Mirtazapin, SSRI und Co wirklich hilft

    • Matze
    • 8. Juli 2026 um 04:29
    • 127 Mal gelesen
    • 3 Antworten
    • Zuletzt aktualisiert: 7. Juli 2026 um 22:30
     Illustration zu Abnehmen trotz Antidepressiva mit Tablettenblister und Waage
    Wer unter Antidepressiva zunimmt, fühlt sich damit oft allein und unverstanden. Dabei zeigen Studien klare Unterschiede zwischen den Wirkstoffen – und einen realistischen Weg, das Gewicht trotzdem in den Griff zu bekommen.
    Lesezeit: 8 Minuten
    🔄 Zuletzt aktualisiert: Juli 2026 – Dieser Artikel verbindet Erfahrungswerte aus der Community mit Studiendaten aus Annals of Internal Medicine, BMJ und den NICE-Leitlinien.

    Abnehmen trotz Antidepressiva ist für viele Menschen mit Adipositas eine berechtigte Sorge, denn eine Gewichtszunahme unter Antidepressiva ist keine Seltenheit und keine Einbildung. Gleichzeitig bedeutet das nicht, dass Gewichtsverlust unter dieser Medikation unmöglich wird.

    ⚠️ Wichtiger medizinischer Hinweis

    Dieser Artikel ersetzt kein Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt über deine konkrete Medikation und liefert keine Bewertung, ob dein Antidepressivum für dich richtig gewählt ist.

    Sprich Gewichtsveränderungen, Dosisfragen oder einen möglichen Wirkstoffwechsel immer zuerst mit deiner behandelnden Fachperson ab, bevor du selbst etwas änderst.

    📌 Auf einen Blick

    • Nicht jedes Antidepressivum wirkt gleich aufs Gewicht – Unterschiede zwischen Wirkstoffen sind in Studien belegt.[1]
    • Bupropion zeigte in einer großen US-Kohortenstudie im Schnitt die geringste Gewichtszunahme unter acht verglichenen Wirkstoffen.[1]
    • Mirtazapin gilt als besonders appetitsteigernd, mit Nebenwirkungsraten über 5 Prozent laut Fachinformation.[4]
    • Ein eigenständiges Absetzen ist keine Lösung – Änderungen gehören immer in ärztliche Hand.
    📋 Inhaltsverzeichnis▼
    1. Warum kann Gewichtszunahme unter Antidepressiva entstehen
    2. Welche Antidepressiva werden häufiger mit Gewichtszunahme verbunden
    3. Wie Abnehmen trotz Antidepressiva realistisch gelingt
    4. Warum du die Medikation nicht eigenständig ändern solltest
    5. Häufige Fragen aus der Community
    6. Quellen

    Warum kann Gewichtszunahme unter Antidepressiva entstehen

    Gewichtszunahme unter Antidepressiva entsteht meist durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren gleichzeitig: verändertem Appetit, weniger Bewegung durch Müdigkeit, Schlafveränderungen und der Rückkehr des Hungergefühls, sobald sich depressive Symptome bessern. Kein Wirkstoff macht automatisch jede Person dick, aber bestimmte Substanzen beeinflussen Appetit und Stoffwechsel deutlicher als andere.

    Appetit, Hormone und Stimmung hängen zusammen

    Wenn sich eine Depression bessert, kehrt bei vielen Menschen auch die Lust am Essen zurück. Das ist grundsätzlich ein gutes Zeichen für die psychische Genesung, kann aber zu einem Kalorienüberschuss führen, wenn Appetitsignale wie Ghrelin und Sättigungshormone wie Leptin gleichzeitig aus dem Gleichgewicht geraten. Manche Wirkstoffe verstärken diesen Effekt zusätzlich über histaminerge Rezeptoren, was besonders bei sedierenden Substanzen zu stärkerem Hungergefühl führen kann.

    Müdigkeit, Bewegungsmangel und emotionales Essen

    Manche Antidepressiva machen müde oder dämpfen den Antrieb, was Alltagsbewegung reduziert. Andere begünstigen emotionales Essen bei Stress oder innerer Unruhe. Wer eine schnelle und starke Gewichtsabnahme erreichen möchte, findet dazu ergänzend Hintergründe zu was dein Körper bei schnellem Gewichtsverlust wirklich braucht, denn Tempo und Nachhaltigkeit stehen oft im Widerspruch zueinander.

    Kurz gesagt: Gewichtszunahme unter Antidepressiva ist selten die Schuld einer einzelnen Ursache. Appetit, Stimmung, Schlaf und Bewegung wirken zusammen – und genau deshalb hilft auch keine einzelne Maßnahme allein.

    Welche Antidepressiva werden häufiger mit Gewichtszunahme verbunden

    Eine große US-Kohortenstudie mit über 183.000 Erwachsenen verglich acht gängige Antidepressiva über 24 Monate und fand messbare, wenn auch insgesamt kleine Unterschiede beim Gewichtsverlauf.[1] Bupropion schnitt dabei am günstigsten ab, während Escitalopram, Paroxetin, Duloxetin, Venlafaxin und Citalopram im Schnitt etwas stärker mit Gewichtszunahme verbunden waren als Sertralin.[1]

    Vergleich der Wirkstoffgruppen

    Die folgende Übersicht ordnet gängige Wirkstoffgruppen ein und ersetzt keine ärztliche Bewertung.

    Antidepressiva und ihr Bezug zum Körpergewicht

    Wirkstoff / Gruppe Bezug zum Gewicht Einordnung
    Bupropion Geringste Gewichtszunahme im Vergleich der acht Wirkstoffe.[1] Nicht für jede Person geeignet, keine eigenständige Wahl als „schlanke Alternative".
    Sertralin Diente in der Studie als Vergleichswert, moderat.[1] Häufig verschriebenes SSRI mit insgesamt moderatem Profil.
    Citalopram, Escitalopram, Paroxetin Etwas stärkere Zunahme als Sertralin über sechs Monate gemessen.[1] Unterschiede sind klein und individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt.
    Venlafaxin, Duloxetin Leicht erhöhte Werte im Vergleich zu Sertralin.[1] SNRI, Auswahl richtet sich zusätzlich nach Blutdruck und Begleiterkrankungen.
    Mirtazapin Appetitsteigerung und Gewichtszunahme als Nebenwirkung bei über 5 Prozent der Behandelten dokumentiert.[4] Kann trotzdem sinnvoll sein, etwa bei starken Schlafstörungen oder Unruhe.

    Mirtazapin und Citalopram im Detail

    Mirtazapin wird besonders häufig mit Gewichtszunahme in Verbindung gebracht, weil der Wirkstoff Appetit steigern und müde machen kann. Das bedeutet nicht automatisch, dass er ungeeignet ist – bei starken Schlafproblemen oder Appetitlosigkeit kann er medizinisch sinnvoll bleiben. Citalopram gehört zu den SSRI und zeigte in Studien im Schnitt eine etwas stärkere Gewichtszunahme als Sertralin, wobei die individuelle Reaktion sehr unterschiedlich ausfällt.[1] Auch eine populationsbasierte Kohortenstudie aus dem britischen Gesundheitssystem bestätigte über zehn Jahre Nachbeobachtung einen Zusammenhang zwischen Antidepressiva-Verordnung und Gewichtszunahme.[3]

    Wie Abnehmen trotz Antidepressiva realistisch gelingt

    Abnehmen trotz Antidepressiva gelingt am ehesten mit einem moderaten, dauerhaft tragbaren Plan statt einer Crash-Diät. Ein realistisches Kaloriendefizit als Grundlage der Gewichtsreduktion bleibt zentral, sollte aber nicht zusätzlich psychisch belasten. Wer unter Müdigkeit oder Antriebslosigkeit leidet, braucht niedrigschwellige statt perfektionistische Ziele.

    Ernährung, die satt macht statt zusätzlich Appetit auszulösen

    Eiweißreiche, ballaststoffreiche Mahlzeiten helfen dabei, Appetitschübe abzufedern, die viele Antidepressiva mit sich bringen. Wie wichtig ausreichend Protein gerade beim Muskelerhalt im Kaloriendefizit ist, erklärt der Beitrag Muskelmasse erhalten trotz Kaloriendefizit. Wer zusätzlich unter GLP-1-Therapie steht, findet ergänzende Hinweise im Beitrag zu Eiweiß und Ballaststoffen unter GLP-1-Therapie.

    Schlaf, Bewegung und der innere Gedankenlärm

    Schlafqualität beeinflusst Appetit und Energielevel stark, weshalb sich ein Blick auf den Beitrag wie viel Schlaf optimal zum Abnehmen ist lohnt. Auch ständige Gedanken ans Essen, oft als Food Noise beschrieben, können unter Antidepressiva verstärkt auftreten – der Beitrag was Food Noise wirklich bedeutet ordnet dieses Phänomen ein.

    Kurz gesagt: Ein moderates Kaloriendefizit, ausreichend Eiweiß, guter Schlaf und realistische Ziele wiegen unter Antidepressiva mehr als unter „normalen" Bedingungen – weil der Ausgangspunkt für Appetit und Energie oft schon verschoben ist.

    Warum du die Medikation nicht eigenständig ändern solltest

    Ein plötzliches Absetzen kann Absetzsymptome auslösen und das Risiko erhöhen, dass sich depressive Beschwerden verschlechtern. Wenn das Gewicht steigt, ist die ärztliche Rücksprache der richtige Weg, nicht die eigenständige Dosisreduktion. Wer sich unsicher ist, wie ein solches Gespräch gelingt, findet Orientierung im Beitrag was du vor einem Arztgespräch zu deiner Medikation wissen solltest.

    Wann ärztliche Unterstützung besonders wichtig ist

    Ärztliche Rücksprache ist besonders wichtig, wenn die Gewichtszunahme schnell verläuft, Essanfälle auftreten oder der Wunsch entsteht, das Medikament eigenständig abzusetzen. Auch die Frage, wie sich Kohlenhydrate und Fette im Alltag am besten verteilen lassen, kann Teil eines strukturierten Plans sein – dazu mehr im Beitrag Kohlenhydrate vs. Fette für dein Kaloriendefizit.

    Häufige Fragen aus der Community

    Macht mein Antidepressivum mich automatisch dick?

    Nein. Manche Wirkstoffe sind häufiger mit Gewichtszunahme verbunden als andere, aber die individuelle Reaktion bleibt sehr unterschiedlich. Ein Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt hilft, deine persönliche Situation einzuordnen.

    Darf ich einfach zu Bupropion wechseln, weil es weniger Gewichtszunahme verursacht?

    Nein. Die Wahl des Wirkstoffs richtet sich nach Diagnose, Wirksamkeit und Verträglichkeit, nicht allein nach dem Gewicht. Ein Wechsel gehört ausschließlich in ärztliche oder psychiatrische Hand.

    Kann ich trotz Mirtazapin realistisch abnehmen?

    Ja, auch wenn es schwieriger sein kann. Ein moderates Kaloriendefizit, ausreichend Eiweiß und frühes Monitoring von Appetit und Gewicht machen Abnehmen trotz Mirtazapin realistisch – idealerweise in Absprache mit deiner behandelnden Fachperson.

    Quellen

    1. Petimar J et al. (2024): Medication-Induced Weight Change Across Common Antidepressant Treatments. Annals of Internal Medicine. Studie auf acpjournals.org
    2. National Institute for Health and Care Excellence (2022): Depression in adults: treatment and management, NICE guideline NG222. Leitlinie bei NICE
    3. Gafoor R, Booth HP, Gulliford MC (2018): Antidepressant utilisation and incidence of weight gain during 10 years' follow-up. BMJ. Kohortenstudie im BMJ
    4. Gelbe Liste: Mirtazapin – Anwendung, Wirkung, Nebenwirkungen. Fachinformation bei Gelbe Liste

    Fazit: Abnehmen trotz Antidepressiva ist möglich, braucht aber Geduld und einen Plan, der Appetit, Schlaf und Stimmung mitdenkt statt nur Kalorien zu zählen. Die Medikation selbst gehört dabei immer in ärztliche Hand.

    Frage an die Community: Nimmst du ein Antidepressivum parallel zu deiner GLP-1-Therapie – und hast du Veränderungen bei Appetit oder Gewicht bemerkt?

    Über den Autor

    Mathias Köster | Gründer des GLP-1 Forums

    Ich bin kein Arzt – sondern Patient. Seit Februar 2025 nehme ich Mounjaro, verschrieben und begleitet von meinem Diabetologen. In dieser Zeit habe ich 41 kg abgenommen und über 16 Monate direkte Therapieerfahrung gesammelt.

    Aus dieser Erfahrung heraus habe ich das GLP-1 Forum gegründet – weil eine deutschsprachige Community für ehrlichen Erfahrungsaustausch fehlte.

    Alle Artikel recherchiere ich anhand von Studien aus PubMed, Fachinformationen der Hersteller sowie offiziellen Quellen wie BfArM, EMA und der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Die verwendeten Quellen sind am Artikelende vollständig aufgeführt und verlinkt. Inhaltliche Verantwortung liegt vollständig bei mir.

    Dieses Forum ist kein medizinischer Rat. Es ist ein Ort für ehrlichen Erfahrungsaustausch – unabhängig, ohne Pharmaunternehmen im Hintergrund.

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    Antworten 3

    Shalin
    8. Juli 2026 um 05:13

    Danke für den Artikel.

    Ich nehme Antidepressiva und meins ist für Gewichtszunahme bekannt, steht auch in der Liste. Doof, aber kann man nichts machen.
    Überhaupt alle Psychopharmaka sind dafür bekannt.

    Weniger Bewegung, verlangsamter Stoffwechsel und emotionales Essen spielen da mit rein. Kann ich ein Lied von singen. :(

    Waldgeist
    8. Juli 2026 um 06:54

    Als ich - toitoitoi - solche Medikamenten schon lange nicht mehr benötigte, erzählte mir eine Freundin (Depressionen seit Jahrzehnten, Diabetes Typ 2, Adipositas seit langem) das sie durch moderne Antidepressiva abgenommen hat.

    Das üble ist, natürlich nimmt man zu, wenn man wegen fehlender Energie und vielleicht zusätzlichen üblen Hamster-Ess-Attacken mehr isst wie notwendig. Aber es dauerte bestimmt nicht nur bei mir mehrere Monate bis wie bei dem passenden Medikament gelandet waren (u.a. weil sich erst herauskristallisieren mußte keine Depression - Angststörung). Nicht jedes Medikament schlägt an bei jedem und selbst beim vorsichtigen Ausschleichen irgendwann, ist das Risiko da, daß dein umgeladen er Gast (Angst, Depession) unternehmungslustig den Kopf hebt. Meine Therapeutin war wirklich gut und fürsorglich, aber vorgewarnt hat sie mich auch nicht, was diese (für mich) "seelischen KO-Tropfen" für Nebenwirkungen haben können. Einem Arzt kommen gewisse Nebenwirkungen vielleicht auch im Verhältnis für vertretbar hin.

    Aber mir hat es sehr lange die Petersilie gründlich verhagelt. Nicht zuletzt, als ich feststellte, wie hartnäckig die zusätzliche Portion "Ich" an mir ging.

    Geholfen beim Abnehmen hat mir damals (nach Ende der medikamentösen Behandlung) eben mehr Bewegung allgemein, meine Ernährung checken ... etwas, was ich in meiner psychosomatischen Kur in Bad Herrenalb kennenlernten:

    Dort machte man u.a. morgens vor dem Frühstück einen ca. halbstündigen Spaziergang.

    Den Spaziergang habe ich lange anschließend beibehalten und verdanke ihm wunderbare Erinnerungen an mehrfache Begegnungen mit einer großen Herde Rothirschen ...

    Astrantia
    14. Juli 2026 um 15:05

    Ich habe 6 Jahre lang Quetiapin genommen und in dieser Zeit 34 kg zugenommen.... Es ist immer Sprache davon, dass man in der Anfangszeit unter Quetiapin zunimmt, es dann aber aufhören würde. War aber bei mir nicht so, es ging immer weiter aufwärts.
    Mein Psychiater hat dann irgendwann gesagt, dass ich damit aufhören müsste. Erst wollte ich nicht und hatte Angst, dass es mir dann schlechter gehen könnte.
    Das Ausschleichen war auch ganz schön heftig, aber im Endeffekt komme ich jetzt seit fast 2 Jahren komplett ohne Psychopharmaka aus. Ohne Arbeitsdruck und genug Zeit für mich selber, eine Ernährungsumstellung und genaue Beobachtung meiner Befindlichkeit, wöchentliche Therapie- hab ich das jetzt auch so im Griff.
    Jetzt noch die 34 kg wieder los werden.

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    Über diesen Artikel

    Medizinischer Hinweis: Die Inhalte dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und dem Erfahrungsaustausch zwischen Betroffenen. Sie ersetzen keinesfalls die individuelle Beratung durch einen Arzt oder Apotheker und stellen keine medizinische Diagnose, Therapieempfehlung oder Dosierungsanleitung dar. Bei gesundheitlichen Beschwerden, Fragen zur Dosierung oder Veränderungen deiner Therapie konsultiere ausschließlich fachkundiges medizinisches Personal.

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