Abnehmspritzen neu gedacht: Diese Zahlen verändern alles – aber nicht für jeden

  • Matze hat einen neuen Artikel veröffentlicht:

    Zitat
    Fast 28 % Gewichtsverlust, ein klarer Sieger im direkten Duell – die neuesten Studiendaten zu Wegovy und Mounjaro klingen nach Revolution. Doch wer genauer hinschaut, merkt: Die Wahrheit steckt im Kleingedruckten.

    Gruß Matze

    The world has music for those who listen

  • Mir sind die Daten trotzdem nicht ganz klar, unabhängig von Mounjaro oder wegovy.

    Wenn man (ob nun dank der Spritze oder auch ohne) konsequent das individuell korrekte Kaloriendefizit einhält, wieso sollte dann nach durchschnittlich 15% bzw 20% Verlust Schluss mit der Abnahme sein?

    Hatten die Studienteilnehmer im Schnitt "nur" 15 - 20% Übergewicht und waren dann im Normalgewicht, sodass eine weitere Abnahme nicht mehr passierte? Oder meinen die, dass die Verluste ohne Änderung der Essgewohnheiten erzielt werden konnten?

    Wenn ich mich selbst mal als Beispiel nehme: bei meiner letzten großen Abnahme vor ein paar Jahren startete ich mit 145kg und nahm auf 80kg ab (ohne Spritze). Ich reduzierte damals also um mehr als 40%.

    Wieso also sollte mithilfe der Spritzen eher Schluss sein, vorausgesetzt, man bleibt wie gesagt konsequent im Defizit?

    Ich glaube daher eher, dass es am Ende vllt weniger auf den Wirkstoff ankommt als darauf, dass man konsequent die Ernährung umstellt und sich dran hält. Solange man das mithilfe eines der Medikamente schafft, ist es meiner Meinung nach eher unerheblich, was die Studien sagen, also für den Einzelfall.

    • Offizieller Beitrag

    Schöne frage, das mag ich. Ich versuche das mal zu erklären.
    Die 15–20 % sind kein biologisches Limit, sondern einfach das, was in den Studien im Durchschnitt rauskommt, bei Leuten, die die Spritze bekommen haben, aber sonst nichts groß geändert haben. Kein strukturiertes Kalorienzählen, keine bewusste Diät. Der Gewichtsverlust entstand also fast ausschließlich dadurch, dass der Hunger nachgelassen hat. Wer dann noch aktiv gegensteuert, kann deutlich weiter kommen, dass sieht man ja auch an den Early Respondern in der STEP-UP-Studie.

    Warum hört die Abnahme trotzdem irgendwann auf? Meist aus zwei Gründen: Der Körper gewöhnt sich an die geringere Kalorienzufuhr und fährt den Grundumsatz runter. Und der appetitdämpfende Effekt lässt bei vielen mit der Zeit nach. Dann entsteht ein neues Gleichgewicht und die Waage bewegt sich nicht mehr.

    Dein Punkt ist eigentlich der entscheidende: Wer konsequent im Defizit bleibt, kann viel mehr erreichen als diese Studiendurchschnitte, ob mit oder ohne Spritze. Deine 145 auf 80 kg sind da ein gutes Beispiel.

    Was die Medikamente leisten, ist vor allem eins: Es wird leichter, dieses Defizit überhaupt durchzuhalten. Für viele ist genau das die größte Hürde. Insofern sind die Studien weniger eine Aussage darüber, was maximal möglich ist, sondern eher ein Abbild davon, was passiert, wenn man "nur " die Spritze nimmt und sonst wenig ändert.

    Und da stimme ich dir zu. Am Ende zählt die Konsequenz. Das Medikament kann helfen, dahin zu kommen, aber die eigentliche Arbeit nimmt es einem nicht ab. Darum sagen wir ja auch immer das es ein tolles Werkzeug ist, nur die Arbeit müssen wir selbst erledigen.

    Gruß Matze

    The world has music for those who listen

  • Es gibt übrigens noch einen Grund für langsamere Abnahme mit der Zeit ist bzw wieso es irgendwann - trotz Konsequenz - stagnieren kann, und das ist ebenfalls unabhängig davon, ob man ein GLP1 Medikament nutzt:

    Wenn man sehr viel abgenommen hat, ist es eher nicht so, dass der Körper sich an die geringere Kalorienzufuhr gewöhnt und die Zufuhr runterschraubt, sondern das Defizit wlrd einfach immer kleiner, da der Grundumsatz immer weiter sinkt, je mehr Gewicht man verliert. Hier mal an einem Beispiel und ohne Berücksichtigung von Schwankungen durch erhöhten Leistungsumsatz, sondern bei einigermaßen konstanten Bedingungen während der gesamten Abnahme:

    Wenn man zb bei 145kg einen Grundumsatz von ca. 2.150kcal hat und zb ab Beginn der Diät oder Umstellung etc 1.500kcal isst, dann hat man ein Defizit von 650kcal.

    Mit 80kg Gewicht beträgt der Grundumsatz dann dann nur noch um die 1.500kcal, das Defizit ist also jetzt sozusagen weg. Logisch also, dass es im Verlauf immer langsamer geht, da sich das Defizit ja kontinuierlich verringert, je mehr man abnimmt, und irgendwann (wenn das Gewicht auf dem Punkt ist, wo es mit dem Grundumsatz bei der täglichen Kalorienzufuhr auf Level ist), ist das Defizit weg und man nimmt nicht weiter ab.

    In diesem Zusammenhang halte ich persönlich auch den so genannten Hungerstoffwechsel (unter normalen Bedingungen) eher für einen Mythos.

    Um weiter wie gewohnt abzunehmen, müsste man also mit sinkendem Grundumsatz immer weniger essen, um das Defizit konstant zu halten oder durch Sport / Bewegung / Aktivität den Leistungsumsatz kompensieren zu steigern.

    Oder aber, im Idealfall ist man zu dem Zeitpunkt, wo das Defizit nicht mehr da ist, da man den Grundumsatz erreicht hat, tatsächlich im Normalgewicht oder einem akzeptablen Bereich angekommen und muss gar nicht weiter abnehmen. Im Bestfall kann man dann so weitermachen, um das Erreichte zu halten, wobei jeder von uns Langzeitkämpfern ja weiß, dass hier dann der eigentliche Kampf beginnt.

    Ich für mich hoffe und bete daher, dass die GLP1 Medikamente zumindest einigermaßen ihre Foodnoise unterdrückende Wirkung behalten, sodass es diesmal endlich gelingt, den hart erkämpften Erfolg auch auf Dauer zu halten 💪

  • Der Stoffwechsel kann bei einem dauerhaften Defizit minimal nach unten korrigieren. Der Körper muss trotz allem versorgt werden - dafür ist der Stoffwechsel ja gut. Aber beispielsweise werden Hände und Füße weniger gut durchblutet. Das kann dann zB dazu führen, dass wir mehr Frieren. Die Korrektur nach unten wären bei einem moderaten Defizit vielleicht 50 bis 100 kcal weniger (durchschnittlich).

    Das, was aber viel mehr "reinhaut", ist die unbewusste Reduzierung des NEAT. Das ist ein Teil, der zum Gesamtumsatz gehört. Darunter fällt zB wippen mit dem Körper oder den Beinen, Gestikulierungen, andere Microbewegungen, kurz aufstehen, zur Toilette gehen usw. Wenn man dauerhaft im Defizit ist, fährt der Körper diese ganzen Bewegungen runter und das kann schon durchschnittlich 300 bis 500 kcal Unterschied machen.

    Außerdem schüttet der Körper mit der Zeit als Gegenregulation vermehrt Ghrelin aus. Ein Hormon, dass Hunger auslöst. Das erschwert dann eine weitere Abnahme ebenfalls.

    Vielleicht gibt es auch noch weitere Anpassungen. Das weiß ich nicht. Lese ich nachher mal nach, weil ich das Thema interessant finde.

  • Tirzepatid wurde eigentlich so entwickelt, dass es nur sehr geringfügig zu einer Rezeptordesensibilisierung kommen sollte ("Abstumpfung" der Rezeptoren durch Abbau o.ä.)*.
    Aber wie schon geschrieben reguliert der Körper mit jedem Kilo Abnahme immer mehr dagegen. Nicht nur mit themogenetischen Anpassungen (geringerer Kalorienverbrauch), sondern v.a. mit mehr Hunger, Foodnoise usw.. 5mg wirken also theoretisch immer wie 5mg, aber die körperliche Gegenregulation ist stärker, so dass es sich nicht mehr genauso wirksam anfühlt. Wenn die Höchstdosis dann halt irgendwann ausgeschöpft ist, nach ca. 25% Gewichtsverlust die Gegenregulation aber entsprechend groß ist, kann man ohne großen "Kampf" gegen den eigenen Körper daher nicht weiter abnehmen.

    Physikalisch kann man natürlich immer so viel Kalorien reduzieren wie man möchte und entsprechend weit abnehmen, aber dass wir irgendwann einfach nicht mehr genug Disziplin aufbringen, sondern wieder zunahmen, womöglich ohne überhaupt das Zielgewicht erreicht zu haben, haben ja vermutlich die meisten von uns bei früheren Abnehmversuchen oft genug gesehen. Das lag dann an der Gegenregulation des Körpers, der wir mal früher und mal später, nicht mehr durch Disziplin standhalten konnten.

    *https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC90…rce=chatgpt.com

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