Nach dem Abnehmen wieder zunehmen: warum der Körper gegensteuert und was das für GLP-1 Therapien bedeutet
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Matze -
13. September 2026 um 08:38 -
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Zuletzt aktualisiert: 13. September 2026 um 08:38
Lesezeit: 17 Minuten
🔄 Zuletzt aktualisiert: September 2026 – Alle Studienangaben wurden im September 2026 gegen die Originalpublikationen geprüft. Dieser Artikel verbindet Erfahrungsberichte aus der Community mit Studienergebnissen aus Nature, Nature Metabolism, Nature Reviews Endocrinology, NEJM und JAMA.
Wer nach dem Abnehmen wieder zunimmt, hört oft denselben Satz: Du musst dich halt zusammenreißen. Die Forschung zur Gewichtsregulation zeichnet ein anderes Bild – der Körper verändert nach einem Gewichtsverlust messbar seine Hunger-, Sättigungs- und Energiesignale und arbeitet damit gegen das neue, niedrigere Gewicht an.
⚠️ Wichtiger medizinischer Hinweis
Dieser Artikel erklärt biologische Mechanismen der Gewichtsregulation. Er ist keine Bewertung deines persönlichen Gewichtsverlaufs und keine Empfehlung, eine Therapie fortzuführen, zu pausieren oder zu beenden.
Ob eine Behandlung bei dir dauerhaft nötig ist, entscheidest du gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, bei Stoffwechselfragen idealerweise mit einer Diabetologin oder einem Ernährungsmediziner.
📌 Auf einen Blick
- Nach einem Gewichtsverlust verändern sich mehrere Systeme gleichzeitig: Hungersignale, Sättigungssignale, Energieverbrauch, Belohnungsverarbeitung im Gehirn und das Fettgewebe selbst.
- Eine Meta-Analyse aus 127 Studien fand nach Gewichtsverlust einen Anstieg des Gesamt-Ghrelins – des Hormons, das Appetit anregt.
- Der Energieverbrauch sinkt nach dem Abnehmen teils stärker, als es die geringere Körpermasse allein erklären würde.
- In einer Bildgebungsstudie normalisierten sich veränderte Nährstoffsignale im Gehirn auch nach 10 Prozent Gewichtsverlust nicht.
- Fettgewebe behält nach deutlicher Gewichtsabnahme Genaktivitätsmuster aus dem adipösen Zustand – beim Menschen noch zwei Jahre nach einer Magenoperation nachweisbar.
- Nach dem Absetzen von GLP-1 Medikamenten kam in kontrollierten Studien ein großer Teil des verlorenen Gewichts innerhalb eines Jahres zurück.
- Biologie ist kein Schicksal: Krafttraining, Proteinzufuhr, Schlaf und eine geplante Erhaltungsphase sind Stellschrauben, die messbar etwas verändern können.
📑 Inhaltsverzeichnis▼
- Warum der Körper nach dem Abnehmen gegensteuert
- Hungerhormone nach Gewichtsverlust: was Ghrelin und Sättigungssignale wirklich tun
- Weniger Energieverbrauch: adaptive Thermogenese und der schrumpfende Grundumsatz
- Gehirn und Fettgewebe: warum die Veränderungen so hartnäckig bleiben
- Gewichtszunahme nach dem Absetzen von GLP-1 Medikamenten: was die Zahlen zeigen
- Häufige Fragen aus der Community
- Quellen
Warum der Körper nach dem Abnehmen gegensteuert
Nach dem Abnehmen wieder zunehmen hat biologische Ursachen, die unabhängig von Disziplin wirken. Sinkt das Körpergewicht, verändern sich Hungersignale, Sättigungssignale und Energieverbrauch in eine Richtung, die die Rückkehr zum alten Gewicht begünstigt. Fachleute beschreiben das als aktive Verteidigung des vorherigen Gewichts durch ein eng verschaltetes Regelsystem.[1]
Dieses Regelsystem hat sich über eine sehr lange Zeit entwickelt, in der Nahrungsmangel das größere Problem war als Nahrungsüberfluss. Der Körper bewertet einen deutlichen Gewichtsverlust deshalb nicht als Erfolg, sondern als Energieverlust, den er ausgleichen möchte. Beteiligt sind mindestens Gehirn, Darm, Fettgewebe, Muskulatur und eine ganze Reihe von Hormonen, die untereinander Rückmeldung geben.
Genau deshalb greift die Vorstellung zu kurz, Abnehmen sei einfach weniger essen und Gewicht halten dann automatisch die Fortsetzung davon. Die eine Aufgabe ist nicht die Verlängerung der anderen. Sie stellt andere Anforderungen, weil sich zwischendurch die Ausgangslage im Körper verändert hat.
Gewichtsregulation funktioniert wie ein Thermostat, nicht wie ein Schalter
Ein Lichtschalter kennt an und aus. Ein Thermostat dagegen misst dauernd, vergleicht mit einem Sollwert und regelt gegen, sobald die Temperatur abweicht. Die Gewichtsregulation arbeitet eher wie das Zweite: Sie misst laufend, wie viel Energie verfügbar ist, und passt Hunger, Sättigung und Verbrauch entsprechend an.
Bei Adipositas ist dieser Regelkreis über Jahre auf ein hohes Gewicht eingestellt. Ein Gewichtsverlust bedeutet für das System eine Abweichung vom eingespielten Zustand – und es reagiert darauf mit Gegenmaßnahmen. Das erklärt, warum das Halten eines reduzierten Gewichts als deutlich anstrengender erlebt wird als das Halten eines nie reduzierten Gewichts, selbst bei identischer Kilozahl auf der Waage.
Was Verteidigung des Gewichts biologisch bedeutet
Eine große Übersichtsarbeit in Nature Reviews Endocrinology fasst die Mechanismen zusammen, die nach einem Gewichtsverlust die erneute Zunahme begünstigen können. Genannt werden unter anderem Immunzellen im Fettgewebe, hormonelle und neuronale Faktoren für Hunger, Sättigung und Belohnung, der Ruheenergieverbrauch samt adaptiver Anpassung sowie Veränderungen im Fettstoffwechsel.[1]
Was das bedeutet: Es gibt nicht den einen Schuldigen. Es sind mehrere kleine Verschiebungen, die alle in dieselbe Richtung zeigen. Jede einzelne wäre im Alltag vielleicht auszugleichen. Alle zusammen ergeben einen spürbaren Gegendruck, der Monat für Monat wirkt.
Kurz gesagt: Der Körper behandelt Gewichtsverlust als Störung eines eingespielten Zustands und regelt aktiv dagegen. Nach dem Abnehmen wieder zunehmen ist deshalb in erster Linie eine Frage der Biologie und erst danach eine Frage des Verhaltens.
Hungerhormone nach Gewichtsverlust: was Ghrelin und Sättigungssignale wirklich tun
Nach einem Gewichtsverlust steigt in vielen Studien der Spiegel des appetitanregenden Hormons Ghrelin, während einzelne Sättigungssignale abnehmen können. Eine Meta-Analyse aus 127 Untersuchungen mit über 6.000 Teilnehmenden fand einen Anstieg des Gesamt-Ghrelins nach Gewichtsabnahme durch Ernährung, Bewegung oder beides. Je größer der Gewichtsverlust, desto stärker war dieser Anstieg.[2]
Ghrelin wird überwiegend im Magen gebildet und meldet dem Gehirn, dass Energie nachgefragt wird. Sein Gegenspieler Leptin stammt aus dem Fettgewebe und signalisiert umgekehrt, wie viel Energie gespeichert ist. Schrumpft das Fettgewebe, sinkt auch das Leptinsignal – und damit die Rückmeldung an das Gehirn, dass genug vorhanden ist.
Was die Meta-Analyse von 2025 zu Ghrelin, PYY und GLP-1 gefunden hat
Das Bild ist differenzierter, als es Schlagzeilen oft darstellen. In den randomisierten Studien stieg das Gesamt-Ghrelin deutlich an, während acyliertes Ghrelin – die Form, die direkt am Rezeptor wirkt – sogar sank. Ein Rückgang von PYY und aktivem GLP-1 zeigte sich vor allem in den nicht randomisierten Untersuchungen.[2]
Was das bedeutet: Die Hormonveränderung nach Gewichtsverlust ist real, aber nicht bei jedem Menschen und nicht bei jedem Hormon gleich. Blutwerte sind außerdem nicht dasselbe wie Hungergefühl. Sie zeigen, dass sich die Signallage verschiebt – sie sagen nicht voraus, wie stark du das persönlich spürst.
Dass diese Veränderungen kein kurzes Zwischenspiel sind, zeigte bereits eine Arbeit im New England Journal of Medicine. Ein Jahr nach einer stark kalorienreduzierten Diät waren mehrere appetitregulierende Hormone weiterhin verändert und der subjektive Appetit weiterhin erhöht.[3]
Die wichtigsten Signalgeber und ihre Richtung nach Gewichtsverlust
| Signal | Wo es entsteht | Aufgabe | Tendenz nach Gewichtsverlust |
|---|---|---|---|
| Ghrelin gesamt | Magen | Meldet Energiebedarf, regt Appetit an | Steigt, und zwar stärker bei größerem Gewichtsverlust |
| Leptin | Fettgewebe | Meldet dem Gehirn den Füllstand der Energiespeicher | Sinkt mit der Fettmasse |
| PYY | Dünn- und Dickdarm | Trägt zum Sättigungsgefühl nach dem Essen bei | Tendenziell niedriger, Datenlage uneinheitlich |
| GLP-1 körpereigen | Darm | Beeinflusst Sättigung, Magenentleerung und Blutzucker | In Beobachtungsstudien niedriger, in RCTs ohne klaren Effekt |
Warum stärkerer Hunger kein Kontrollverlust ist
Im Forum liest man diesen Satz immer wieder: Ich hatte es doch im Griff, und plötzlich ist der Hunger zurück. Wenn sich die Hormonlage nach unten korrigiert hat, ist genau das zu erwarten. Der Hunger, den du dann spürst, ist nicht weniger echt als der vor der Abnahme – er entsteht nur auf einem anderen Gewichtsniveau.
Damit hängt auch zusammen, was viele als ständiges Kreisen der Gedanken ums Essen beschreiben. Wer verstehen will, was hinter diesem Gedankenlärm ums Essen steckt, findet dort die ausführliche Einordnung. Der Begriff Food Noise beschreibt dabei keine Charakterschwäche, sondern ein Wahrnehmungsphänomen, das mit der Signallage zusammenhängt.
Weniger Energieverbrauch: adaptive Thermogenese und der schrumpfende Grundumsatz
Ein leichterer Körper verbraucht weniger Energie – das ist reine Physik. Zusätzlich kann der Verbrauch nach einer Gewichtsabnahme stärker sinken, als es die geringere Masse allein erklären würde. Diese zusätzliche Absenkung wird als adaptive Thermogenese bezeichnet und wurde schon in kontrollierten Stoffwechselstudien am Menschen gemessen.[4]
Der Effekt ist in der Forschung nicht unumstritten. Fachleute diskutieren, wie groß der Anteil ist, der wirklich über die Körperzusammensetzung hinausgeht, und wie gut er sich messen lässt.[1] Unstrittig ist der praktische Kern: Nach dem Abnehmen brauchst du weniger Energie als vorher – und gleichzeitig ist der Hunger tendenziell größer.
Wie viel Energie nach dem Abnehmen tatsächlich wegfällt
Der Grundumsatz hängt vor allem an der stoffwechselaktiven Masse, also stark an Muskulatur und Organen. Verlierst du Gewicht, verlierst du in der Regel beides anteilig: Fett und fettfreie Masse. Der Energiebedarf folgt dieser Veränderung.
Was das bedeutet: Die Portionsgröße, die dich früher stabil gehalten hat, kann dich nach 20 Kilo weniger langsam wieder nach oben tragen – ohne dass du irgendetwas an deinem Verhalten geändert hättest. Wenn du deinen aktuellen Bedarf neu einschätzen willst, kannst du mit unserem Kalorienrechner dein Kaloriendefizit neu berechnen und den alten Richtwert ersetzen.
Wie stark der Stoffwechsel dabei zusätzlich herunterfährt, ist ein eigenes Kapitel. Wir haben ausführlich beschrieben, warum der Körper beim Abnehmen auf die Bremse tritt, und ergänzend, was hinter der metabolischen Anpassung steckt. Der Fachbegriff dafür ist die adaptive Thermogenese.
Muskelmasse, Krafttraining und Protein als Gegengewicht
Hier liegt eine der wenigen Stellen, an denen du direkt eingreifen kannst. Wer beim Abnehmen mehr fettfreie Masse erhält, hält tendenziell auch mehr Energieverbrauch. Krafttraining und ein ausreichender Proteinbedarf sind die beiden Hebel, die dabei am besten untersucht sind.
Wichtig zur Einordnung: Wenn in Studien von einem Rückgang der fettfreien Masse die Rede ist, umfasst dieser Begriff mehr als reines Muskelgewebe – auch Wasser, Bindegewebe und Glykogenspeicher zählen dazu. Ein Minus in der Messung bedeutet also nicht automatisch, dass du schwächer wirst. Wie du gezielt gegensteuerst, haben wir in einem eigenen Beitrag dazu beschrieben, wie du Muskelmasse im Kaloriendefizit schützen kannst. Der begleitende Begriff dazu ist Muskelverlust.
Praktisch gedacht: Der Energieverbrauch lässt sich nicht auf den alten Stand zurückdrehen. Er lässt sich aber beeinflussen. Muskelerhalt ist die Stellschraube mit der besten Datenlage und wirkt sich zusätzlich auf Kraft, Beweglichkeit und Blutzuckerwerte aus.
Gehirn und Fettgewebe: warum die Veränderungen so hartnäckig bleiben
Bis hierhin ging es um Signale, die sich nach dem Abnehmen verschieben. Der vielleicht unbequemste Teil der Forschung betrifft etwas anderes: Veränderungen, die auch nach erfolgreicher Gewichtsabnahme bestehen bleiben. Sie betreffen zwei sehr unterschiedliche Orte im Körper – das Gehirn und das Fettgewebe selbst.
Nährstoffsignale im Gehirn normalisieren sich nicht automatisch
Eine Arbeitsgruppe aus Amsterdam und Yale hat 30 Menschen mit gesundem Körpergewicht und 30 Menschen mit Adipositas Glukose und Fett direkt in den Magen geleitet – unter Umgehung von Geschmack und Geruch. Gemessen wurden Hirnaktivität und die Ausschüttung von Dopamin im Belohnungssystem.[5]
Bei den Teilnehmenden mit gesundem Gewicht reagierte das Gehirn nährstoffspezifisch. Bei den Teilnehmenden mit Adipositas waren diese Antworten deutlich abgeschwächt – und sie stellten sich auch nach einem Gewichtsverlust von 10 Prozent über zwölf Wochen nicht wieder her. Die Autorinnen und Autoren halten es für möglich, dass diese anhaltend gedämpfte Rückmeldung zur hohen Rate an Gewichtszunahme nach erfolgreichem Abnehmen beiträgt.[5]
Was das bedeutet: Es geht hier nicht um das bewusste Hungergefühl, sondern um eine Rückmeldung unterhalb der Wahrnehmung – die Frage, ob im Gehirn ankommt, dass Nährstoffe eingetroffen sind. Wenn dieses Signal schwächer ausfällt, kann Essen subjektiv weniger befriedigend wirken, obwohl die Menge objektiv ausreichend war. Wichtig ist die Einschränkung: Es handelt sich um eine einzelne Studie mit 60 Teilnehmenden über zwölf Wochen. Sie zeigt eine Veränderung, sie beweist keinen Dauerzustand.
Das epigenetische Gedächtnis der Fettzellen
Ende 2024 veröffentlichte eine Gruppe der ETH Zürich in Nature eine Untersuchung, die viel diskutiert wurde. Sie analysierte Fettgewebe von Menschen und Mäusen mit Einzelkern-Sequenzierung und fand: Sowohl menschliches als auch tierisches Fettgewebe behält nach deutlicher Gewichtsabnahme Genaktivitätsmuster aus dem adipösen Zustand bei.[6]
Beim Menschen stammten die Proben von Personen, die nach einer bariatrischen Operation ihren BMI um mindestens 25 Prozent reduziert hatten. Auch zwei Jahre nach dem Eingriff unterschieden sich ihre Fettzellen von denen nie adipöser Vergleichspersonen. Der eigentliche epigenetische Nachweis – also die stabilen chemischen Markierungen am Erbgut – gelang bisher vor allem im Mausmodell. Ehemals übergewichtige Mäuse mit diesen Markierungen nahmen bei fettreicher Kost schneller wieder zu als durchgehend normalgewichtige Tiere.[6]
Was das bedeutet: Der Befund liefert eine mögliche molekulare Erklärung dafür, warum der Jo-Jo-Effekt so zäh sein kann. Er sagt nichts darüber aus, wie lange dieses Gedächtnis bei einzelnen Menschen anhält, und er ist kein Grund, das Abnehmen für sinnlos zu halten. Wenn dich dieser Teil besonders interessiert, haben wir ausführlich aufgeschrieben, wie sich Fettzellen an Übergewicht erinnern.
Aus dem Forum: Ich habe 30 Kilo abgenommen und dachte, ab jetzt ist es wie bei allen anderen. War es nicht. Es fühlt sich an, als würde ich einen Ball unter Wasser drücken.
Gewichtszunahme nach dem Absetzen von GLP-1 Medikamenten: was die Zahlen zeigen
Moderne Medikamente greifen genau in die Regelkreise ein, um die es in diesem Artikel geht. Sie machen niemanden disziplinierter. Sie verändern Signale, die an Appetit, Sättigung und Blutzucker beteiligt sind – und genau deshalb verändert sich die Lage wieder, wenn die Wirkung endet.
Für Semaglutid und Tirzepatid gibt es dazu belastbare Daten aus kontrollierten Absetzstudien. Ich selbst spritze seit Februar 2025 Tirzepatid, und ehrlich gesagt war es diese Studienlage, die mich dazu gebracht hat, das Thema Erhaltungsphase von Anfang an mitzudenken statt erst am Ende.
STEP 1 und SURMOUNT-4 im direkten Vergleich
Beide Studien haben dieselbe Frage gestellt: Was passiert, wenn das Medikament wegfällt, die Lebensstilbegleitung aber bestehen bleibt. Die Antworten fielen erstaunlich ähnlich aus, obwohl es sich um unterschiedliche Wirkstoffe und Studiendesigns handelt.
Eckdaten der beiden Absetzstudien
| Merkmal | STEP 1 Extension | SURMOUNT-4 |
|---|---|---|
| Wirkstoff | Semaglutid 2,4 mg wöchentlich | Tirzepatid 10 oder 15 mg wöchentlich |
| Teilnehmende in der Auswertung | 327 | 670 |
| Gewichtsverlust unter Behandlung | 17,3 Prozent in 68 Wochen | 20,9 Prozent in 36 Wochen |
| Verlauf nach dem Absetzen | 11,6 Prozentpunkte wieder zugenommen, netto 5,6 Prozent unter Ausgangsgewicht | 14,0 Prozent Körpergewicht wieder zugenommen in 52 Wochen |
| Vergleichsgruppe mit Fortsetzung | Nicht Teil der Verlängerung | Weitere 5,5 Prozent Gewichtsverlust |
| Stoffwechselwerte | Näherten sich bei den meisten Parametern wieder dem Ausgangswert an | Verschlechterten sich parallel zur Gewichtszunahme |
In der Verlängerung der STEP 1 Studie nahmen die Teilnehmenden ein Jahr nach dem Absetzen etwa zwei Drittel ihres zuvor verlorenen Gewichts wieder zu. Die Autorinnen und Autoren werteten das als Bestätigung dafür, dass Adipositas als chronische Erkrankung zu behandeln ist.[7] In SURMOUNT-4 hielten nach 52 Wochen 89,5 Prozent der weiterbehandelten Gruppe mindestens 80 Prozent ihres Gewichtsverlusts, gegenüber 16,6 Prozent in der Placebogruppe.[8]
Was du aus der Biologie praktisch mitnehmen kannst
Was das bedeutet: Diese Zahlen sind Durchschnittswerte aus Studiengruppen, keine Prognose für dich persönlich. In SURMOUNT-4 gab es auch Teilnehmende, die nach dem Absetzen weniger als ein Viertel ihres Gewichtsverlusts wieder zunahmen. Was die Daten sehr klar zeigen, ist etwas anderes: Absetzen ohne Plan geht selten gut aus – und das liegt nicht am fehlenden Willen der Beteiligten, sondern an den Mechanismen aus den vorherigen Abschnitten. Der Fachbegriff für das Zurückschwingen heißt Rebound-Effekt.
Drei Dinge lassen sich daraus ableiten. Erstens: Plane die Erhaltungsphase, bevor du sie brauchst, nicht erst wenn die Waage wieder nach oben zeigt. Zweitens: Führe in dieser Phase Buch. Unser Tagebuch zum Gewichtsverlauf hilft dabei, kleine Trends früh zu erkennen, statt sie erst nach fünf Kilo zu bemerken. Drittens: Besprich Pausen, Dosisreduktionen und Beendigung mit deiner Ärztin oder deinem Arzt – nicht, weil das Pflichtprogramm ist, sondern weil der Übergang planbar ist.
Konkret weiter geht es an zwei Stellen: Wir haben beschrieben, wie schnell das Gewicht nach dem Absetzen zurückkommt, und ergänzend, warum der Jo-Jo-Effekt trotzdem kein Automatismus ist. Wer direkt in die Umsetzung will, findet außerdem eine Zusammenstellung dazu, was beim langfristigen Halten des Gewichts hilft.
Und noch ein Punkt, der in der Diskussion oft untergeht: Auch wenn Gewicht zurückkommt, bleibt der Gewichtsverlust in den Studien netto positiv. In der STEP 1 Verlängerung lagen die Teilnehmenden nach drei Jahren im Mittel immer noch 5,6 Prozent unter ihrem Ausgangsgewicht.[7] Ein Teilerfolg ist kein Misserfolg. Ein Kaloriendefizit über Monate gehalten zu haben, ist eine reale Leistung, auch wenn die Biologie danach gegensteuert.
Häufige Fragen aus der Community
Heißt das, ich muss das Medikament für immer nehmen?
Das lässt sich pauschal nicht beantworten und gehört in das Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Was die Studien zeigen: Bei einem großen Teil der Teilnehmenden kam nach dem Absetzen ein erheblicher Anteil des Gewichts zurück. Bei manchen war es deutlich weniger. Eine Dauertherapie ist eine Option, kein Automatismus.
Ich habe wieder zugenommen und schäme mich dafür. Ist das meine Schuld?
Nein. Mehrere unabhängige Systeme im Körper arbeiten nach einem Gewichtsverlust in dieselbe Richtung, und zwar unabhängig davon, wie konsequent du bist. Das entbindet niemanden von Entscheidungen, aber es verschiebt die Bewertung. Du kämpfst nicht gegen dich selbst, sondern gegen einen Regelkreis.
Bringt langsameres Abnehmen einen Vorteil beim Halten?
Die Studienlage dazu ist uneinheitlich. Die Meta-Analyse zu Darmhormonen fand allerdings einen Zusammenhang zwischen der Höhe des Gewichtsverlusts und dem Ausmaß der Hormonverschiebung. Was besser belegt ist als das Tempo selbst: Muskelerhalt durch Krafttraining und ausreichend Protein während der gesamten Abnahme.
Quellen
- van Baak MA, Mariman ECM (2023): Obesity-induced and weight-loss-induced physiological factors affecting weight regain. Nature Reviews Endocrinology 19, 655 bis 670. Übersichtsarbeit zu den Mechanismen der Gewichtszunahme nach Gewichtsverlust
- Yu Y et al. (2025): Fasting appetite-related gut hormone responses after weight loss induced by calorie restriction, exercise, or both in people with overweight or obesity: a meta-analysis. International Journal of Obesity. Meta-Analyse zu Ghrelin, PYY und GLP-1 nach Gewichtsverlust
- Sumithran P et al. (2011): Long-term persistence of hormonal adaptations to weight loss. New England Journal of Medicine 365, 1597 bis 1604. NEJM-Studie zur anhaltenden Hormonverschiebung ein Jahr nach der Diät
- Leibel RL, Rosenbaum M, Hirsch J (1995): Changes in energy expenditure resulting from altered body weight. New England Journal of Medicine 332, 621 bis 628. Grundlagenstudie zur Veränderung des Energieverbrauchs bei Gewichtsänderung
- van Galen KA et al. (2023): Brain responses to nutrients are severely impaired and not reversed by weight loss in humans with obesity: a randomized crossover study. Nature Metabolism 5, 1059 bis 1072. Bildgebungsstudie zu Nährstoffsignalen im Gehirn vor und nach Gewichtsverlust
- Hinte LC et al. (2024): Adipose tissue retains an epigenetic memory of obesity after weight loss. Nature 636, 457 bis 465. Nature-Studie zum epigenetischen Gedächtnis des Fettgewebes
- Wilding JPH et al. (2022): Weight regain and cardiometabolic effects after withdrawal of semaglutide: the STEP 1 trial extension. Diabetes, Obesity and Metabolism 24, 1553 bis 1564. Verlängerungsphase der STEP 1 Studie nach Absetzen von Semaglutid
- Aronne LJ et al. (2024): Continued treatment with tirzepatide for maintenance of weight reduction in adults with obesity: the SURMOUNT-4 randomized clinical trial. JAMA 331, 38 bis 48. JAMA-Publikation zur Absetzstudie SURMOUNT-4
Fazit: Nach dem Abnehmen wieder zunehmen ist kein Beweis für fehlende Disziplin, sondern die Folge mehrerer biologischer Anpassungen, die gleichzeitig in dieselbe Richtung wirken. Abnehmen und Gewicht halten sind zwei verschiedene Aufgaben, und die zweite verdient einen eigenen Plan. Wer das weiß, bewertet Rückschläge anders und sich selbst fairer.
Frage an die Community: Wer von euch ist schon in der Erhaltungsphase, und woran habt ihr gemerkt, dass sich euer Hungergefühl gegenüber der Abnehmphase verändert hat?
Über den Autor
Mathias Köster | Gründer des GLP-1 Forums
Ich bin kein Arzt – sondern Patient. Seit Februar 2025 nehme ich Mounjaro, verschrieben und begleitet von meinem Diabetologen. In dieser Zeit habe ich 41 kg abgenommen und über 16 Monate direkte Therapieerfahrung gesammelt.
Aus dieser Erfahrung heraus habe ich das GLP-1 Forum gegründet – weil eine deutschsprachige Community für ehrlichen Erfahrungsaustausch fehlte.
Alle Artikel recherchiere ich anhand von Studien aus PubMed, Fachinformationen der Hersteller sowie offiziellen Quellen wie BfArM, EMA und der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Die verwendeten Quellen sind am Artikelende vollständig aufgeführt und verlinkt. Inhaltliche Verantwortung liegt vollständig bei mir.
Dieses Forum ist kein medizinischer Rat. Es ist ein Ort für ehrlichen Erfahrungsaustausch – unabhängig, ohne Pharmaunternehmen im Hintergrund.
MatzeForenleitung
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