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  2. GLP-1 Artikel & News – Ozempic, Wegovy, Mounjaro Erfahrungen
  3. Info
  • GLP-1 und Muskelmasse: Was die neue Metaanalyse zu Muskelabbau unter Wegovy und Mounjaro wirklich zeigt

    • Matze
    • 22. Juli 2026 um 08:40
    • 178 Mal gelesen
    • 2 Antworten
    • Zuletzt aktualisiert: 8. August 2026 um 13:01
    Waage und Hantel als Symbol für Muskelmasse und Fettverlust unter GLP-1-Therapie
    Wer abnimmt, verliert nicht nur Fett - diese Sorge begleitet fast jeden GLP-1-Start. Eine Metaanalyse aus dem International Journal of Obesity hat dazu im Juni 2026 sieben randomisierte Studien mit 821 Teilnehmenden ausgewertet und liefert erstmals Zahlen zur Muskelmasse ausschließlich aus Adipositas-Dosierungen. Das Ergebnis wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich - und wird verständlich, sobald man weiß, was fettfreie Masse eigentlich misst.
    Lesezeit: 13 Minuten
    🔄 Zuletzt aktualisiert: Juli 2026 – Dieser Artikel wertet die im Juni 2026 im International Journal of Obesity erschienene Metaanalyse aus. Er verbindet Erfahrungen aus der Community mit Studienergebnissen aus dem International Journal of Obesity, Diabetes Obesity and Metabolism und The Lancet Diabetes and Endocrinology.

    Die Frage, was eine Abnehmspritze mit der Muskelmasse macht, gehört zu den meistdiskutierten Themen – und seit Juni 2026 gibt es dazu belastbarere Zahlen. Eine neue Metaanalyse hat sieben randomisierte Studien mit 821 Teilnehmenden ausgewertet und kommt bei der fettfreien Masse zu einem Ergebnis, das auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt.[1]

    ⚠️ Wichtiger medizinischer Hinweis

    Dieser Artikel fasst Studienergebnisse zur Körperzusammensetzung zusammen. Er ist keine Einschätzung deines persönlichen Muskelstatus und ersetzt weder eine körperliche Untersuchung noch eine individuelle Ernährungs- oder Trainingsberatung.

    Wenn du unter der Therapie deutlich an Kraft verlierst, dich beim Treppensteigen oder Aufstehen schwächer fühlst oder sehr schnell abnimmst, sprich das bei deiner Ärztin oder deinem Arzt an und lass dich bei Bedarf an eine Ernährungsfachkraft überweisen.

    📌 Auf einen Blick

    • Sieben randomisierte Studien mit 821 Teilnehmenden, ausgewertet im International Journal of Obesity (Juni 2026).
    • Die fettfreie Masse sank absolut um durchschnittlich 1,74 kg gegenüber Placebo.
    • Ihr Anteil am Gesamtgewicht stieg gleichzeitig um 1,81 Prozentpunkte – die Körperzusammensetzung verschob sich also zugunsten der fettfreien Masse.
    • Fettfreie Masse ist nicht gleich Muskel: Sie enthält auch Organe, Knochen und Körperwasser.
    • Kraftmessungen wurden in keiner der eingeschlossenen Studien ausgewertet – die funktionelle Frage bleibt offen.
    • Die Autorinnen und Autoren empfehlen ausdrücklich, die Medikation mit Ernährung und Training zu begleiten.
    📑 Inhaltsverzeichnis▼
    1. GLP-1 Muskelmasse: Was 7 Studien mit 821 Patienten zeigen
    2. Semaglutid, Liraglutid und Tirzepatid im direkten Zahlenvergleich
    3. Muskelabbau unter der Abnehmspritze früh erkennen
    4. Muskeln schützen: Krafttraining und Proteinzufuhr im Alltag
    5. Häufige Fragen aus der Community
    6. Quellen

    GLP-1 Muskelmasse: Was 7 Studien mit 821 Patienten zeigen

    Unter GLP-1-Medikamenten in Adipositas-Dosierung sinkt die fettfreie Masse in absoluten Zahlen um durchschnittlich 1,74 Kilogramm gegenüber Placebo. Gleichzeitig steigt ihr Anteil am Gesamtgewicht um 1,81 Prozentpunkte, weil deutlich mehr Fett als fettfreie Masse verloren geht. Die Körperzusammensetzung verschiebt sich damit rechnerisch in eine günstigere Richtung.[1]

    Das Forschungsteam um Patricia Laverde hat für seine Auswertung bewusst nur Studien einbezogen, in denen die Wirkstoffe in den Dosierungen eingesetzt wurden, die für die Behandlung von Adipositas zugelassen sind – also 3 mg Liraglutid täglich, 2,4 mg Semaglutid wöchentlich und 5 bis 15 mg Tirzepatid wöchentlich. Frühere Übersichtsarbeiten hatten oft die niedrigeren Diabetes-Dosierungen mit eingerechnet, was den Effekt auf die GLP-1 Muskelmasse eher unterschätzt. Genau deshalb sind die neuen Zahlen zur Muskelmasse für uns Betroffene relevanter als vieles, was bisher zirkuliert ist.

    Warum fettfreie Masse und Muskelmasse zwei verschiedene Dinge sind

    Das ist der Punkt, an dem die meisten Diskussionen über Muskelverlust aus dem Ruder laufen. Wenn eine Studie von fettfreier oder magerer Masse spricht, meint sie alles im Körper, was kein Fettgewebe ist: Skelettmuskulatur, aber eben auch Organe, Knochen, Bindegewebe und vor allem Körperwasser. Die Autorinnen und Autoren der Metaanalyse betonen diesen Unterschied ausdrücklich.[1]

    Was das bedeutet: Ein Minus von 1,74 kg fettfreier Masse in der Messung heißt nicht, dass 1,74 kg Muskel verschwunden sind. Gerade in den ersten Wochen einer Therapie verliert der Körper zusätzlich zum Fett auch eingelagertes Wasser und die daran gebundenen Kohlenhydratspeicher. Das taucht in jeder DXA-Messung als Rückgang der fettfreien Masse auf, hat mit deiner tatsächlichen Muskelmasse aber wenig zu tun. Umgekehrt gilt: Ein Teil davon ist echtes Muskelgewebe, und dieser Teil verdient Aufmerksamkeit.

    Die drei Kennzahlen der Metaanalyse verständlich übersetzt

    Die Auswertung arbeitet mit drei verschiedenen Messgrößen, die gerne durcheinandergeworfen werden. Weil sie in unterschiedliche Richtungen zeigen, entsteht der Eindruck eines Widerspruchs – tatsächlich beschreiben sie nur drei Perspektiven auf denselben Vorgang. Die folgende Übersicht sortiert, was jede Zahl aussagt.

    Die drei Kennzahlen zur fettfreien Masse im Vergleich

    Kennzahl Ergebnis gepoolt Was sie im Alltag bedeutet
    Anteil der fettfreien Masse am Gesamtgewicht plus 1,81 Prozentpunkte Von deinem neuen Körpergewicht besteht ein größerer Anteil aus Nicht-Fett als vorher.
    Absolute Veränderung der fettfreien Masse minus 1,74 kg In Kilogramm gerechnet ist unterm Strich weniger fettfreie Masse da als vor der Therapie.
    Prozentuale Veränderung der fettfreien Masse minus 3,06 Prozent Gemessen am Ausgangswert ist die fettfreie Masse um gut drei Prozent geschrumpft.

    Kurz gesagt: Du verlierst unter GLP-1 sowohl Fett als auch fettfreie Masse – aber deutlich mehr Fett. Das Verhältnis zwischen beiden verbessert sich, während die absolute Menge an fettfreier Masse sinkt. Für die Muskelmasse heißt das: Beides ist gleichzeitig wahr.

    Semaglutid, Liraglutid und Tirzepatid im direkten Zahlenvergleich

    Die spannendste Erkenntnis der Metaanalyse steckt nicht im Gesamtergebnis, sondern in den Untergruppen. Je stärker ein Wirkstoff das Gewicht senkt, desto größer fällt auch der absolute Rückgang der fettfreien Masse aus. Bei Wegovy mit dem Wirkstoff Semaglutid lag der Verlust bei minus 5,44 kg und damit weit über dem Durchschnitt.[1]

    Fettfreie Masse nach Wirkstoff und Behandlungsdauer

    Wirkstoff und Dauer Absolute Veränderung Anteil am Gesamtgewicht Anteil am Gewichtsverlust
    Liraglutid, unter 52 Wochen minus 0,41 kg plus 1,51 Prozentpunkte 14 bis 22 Prozent
    Liraglutid, über 52 Wochen minus 2,65 kg plus 2,53 Prozentpunkte 14 bis 22 Prozent
    Semaglutid, 68 Wochen minus 5,44 kg plus 2,95 Prozentpunkte bis zu 45 Prozent
    Tirzepatid, 72 Wochen nicht auswertbar nicht auswertbar rund 25 Prozent

    Warum Semaglutid bei der fettfreien Masse am stärksten abschneidet

    Auf den ersten Blick sieht die Semaglutid-Zeile alarmierend aus. Bevor du daraus einen Wirkstoffvergleich bastelst, lohnt ein Blick auf den Zusammenhang: Semaglutid senkt das Gewicht in diesen Studien am stärksten, und wer mehr Gewicht verliert, verliert absolut auch mehr fettfreie Masse. Genau das schreiben die Autorinnen und Autoren selbst – die Wirkung ist dosisabhängig.[1] Der prozentuale Anteil der fettfreien Masse am Gesamtgewicht stieg bei Semaglutid trotzdem am deutlichsten an.

    Hinzu kommt eine methodische Einschränkung, die im Abstract untergeht: Für Semaglutid floss nur eine einzige Studie in die Auswertung ein. Die Heterogenität zwischen den Studien lag bei einigen Endpunkten bei 98 Prozent, was in der Fachsprache heißt, dass die Einzelergebnisse stark auseinandergehen. Die Richtung des Effekts ist konsistent, die genaue Größe nicht. Wer die Zahlen ohne diesen Kontext teilt, erzeugt Panik, die die Datenlage nicht hergibt – wie schon der oft wiederholte Vorwurf vom angeblichen Muskelkiller zeigt.

    Tirzepatid und die Datenlücke in SURMOUNT-1

    Für Mounjaro konnte die Metaanalyse keine eigene Berechnung anstellen, weil die DXA-Daten aus SURMOUNT-1 nicht in der benötigten Aufschlüsselung veröffentlicht wurden. Die Teilstudie selbst liefert aber klare Zahlen: Über 72 Wochen sank bei den mit Tirzepatid Behandelten das Körpergewicht um 21,3 Prozent, die Fettmasse um 33,9 Prozent und die fettfreie Masse um 10,9 Prozent. Rund drei Viertel des verlorenen Gewichts entfielen auf Fett, ein Viertel auf fettfreie Masse – und dieses Verhältnis war in der Placebogruppe praktisch identisch.[2]

    Was das bedeutet: Das Verhältnis von 75 zu 25 entspricht ziemlich genau dem, was auch bei einer klassischen Diät oder nach einer bariatrischen Operation gemessen wird. Der Anteil an verlorener Muskelmasse ist also nicht spritzenspezifisch, sondern gehört zum Abnehmen dazu – nur dass die absoluten Mengen größer sind, weil der Gewichtsverlust größer ist. Ich nehme selbst seit Februar 2025 Mounjaro und fand diese Einordnung hilfreicher als jede Prozentzahl für sich allein.

    Eine dritte Perspektive liefert die SURPASS-3-MRT-Auswertung bei Menschen mit Typ-2-Diabetes. Dort schrumpfte das Oberschenkelmuskelvolumen unter Tirzepatid messbar, gleichzeitig sank aber die Verfettung innerhalb der Muskulatur. Weniger Fett in der Muskelmasse gilt als Zeichen besserer Muskelqualität, und die Volumenabnahme entsprach in etwa dem, was bei vergleichbarem Gewichtsverlust ohnehin zu erwarten wäre.[3] Ähnlich vorsichtig fällt auch die Einschätzung mehrerer Experten auf dem ADA-Kongress 2026 aus.

    Muskelabbau unter der Abnehmspritze früh erkennen

    Relevanter Muskelabbau zeigt sich im Alltag früher als auf jeder Waage: Treppensteigen fällt schwerer, das Aufstehen vom Sofa braucht plötzlich Schwung, Einkaufstüten fühlen sich schwerer an. Studien messen dagegen fast immer nur die Muskelmasse, nicht die Kraft – funktionelle Tests wie die Handkraftmessung wurden in keiner der sieben eingeschlossenen Studien ausgewertet.[1]

    Was die Waage über deine Körperzusammensetzung nicht verrät

    Eine normale Personenwaage kennt genau eine Zahl, und die sagt nichts darüber, woraus dein Gewicht besteht. Auch günstige Körperfettwaagen mit Bioimpedanzmessung schwanken stark mit Trinkmenge, Tageszeit und Hauttemperatur. Wirklich belastbar sind DXA-Messungen, wie sie in den Studien eingesetzt wurden – die bekommt man außerhalb von Studien allerdings selten und meist nur als Selbstzahlerleistung. Eine praktikable Annäherung liefert unser Rechner für den Körperfettanteil, wenn du ihn über Monate mit denselben Umfangsmaßen fütterst. Wie du Fortschritt sinnvoller erfasst, haben wir außerdem in einem eigenen Beitrag darüber gesammelt, warum die Waage allein deinen Erfolg nicht abbildet.

    Diese Warnzeichen gehören ins Arztgespräch

    • Du verlierst dauerhaft mehr als etwa ein Prozent deines Körpergewichts pro Woche.
    • Alltagsbewegungen wie Aufstehen, Tragen oder Treppensteigen werden spürbar schwerer.
    • Du erreichst über Wochen kaum noch 60 Gramm Eiweiß am Tag, weil der Appetit fehlt.
    • Du fühlst dich dauerhaft kraftlos statt nur in den ersten Tagen nach der Dosiserhöhung.
    • Du bist über 65 oder hattest schon vor der Therapie wenig Muskulatur.

    Besondere Vorsicht gilt im höheren Lebensalter. Die Metaanalyse weist ausdrücklich darauf hin, dass die eingeschlossenen Studien überwiegend junge Teilnehmende mit wenig Begleiterkrankungen untersucht haben. Für ältere und mehrfach erkrankte Menschen lassen sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres übertragen.

    Muskeln schützen: Krafttraining und Proteinzufuhr im Alltag

    Die wirksamsten Gegenmaßnahmen gegen Muskelabbau unter GLP-1 sind regelmäßiges Krafttraining und eine ausreichende Eiweißzufuhr. Die S3-Leitlinie zur Adipositastherapie empfiehlt mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche, ergänzt um Krafttraining.[4] Die Metaanalyse schließt mit derselben Empfehlung: Medikament plus Ernährung plus Training statt Medikament allein.[1]

    Zwei Einheiten Krafttraining pro Woche als realistisches Minimum

    Wichtig ist der Reiz, nicht das Fitnessstudio. Krafttraining mit dem eigenen Körpergewicht, Widerstandsbändern oder Kurzhanteln funktioniert genauso, solange die Belastung hoch genug ist, dass die letzten Wiederholungen wirklich anstrengend werden. Ausdauertraining allein reicht als Muskelschutz nicht aus, auch wenn es für Herz und Kreislauf sinnvoll bleibt. Wer bei null anfängt und unter der Therapie oft müde ist, findet in unserem Beitrag über kurze Trainingseinheiten von fünf Minuten einen niedrigschwelligen Einstieg.

    Ein Detail aus der Metaanalyse ist dabei bemerkenswert: Auch in den Placebogruppen ging fettfreie Masse verloren, obwohl diese Teilnehmenden Ernährungs- und Bewegungsberatung erhielten. Ein Teil davon geht auf den ganz normalen altersbedingten Rückgang zurück, der bei etwa 0,3 bis 1 Prozent pro Jahr liegt.[1] Ein Rückgang der Muskelmasse ist also kein reines Spritzenphänomen, sondern eines, das die Therapie beschleunigt und sichtbar macht.

    Proteinzufuhr bei gedämpftem Appetit organisieren

    Hier liegt für die meisten von uns die eigentliche Hürde. Wenn das Sättigungsgefühl nach drei Gabeln einsetzt, wird die Eiweißversorgung zur Planungsaufgabe. Das Deutsche Ärzteblatt fasst die Studienlage so zusammen, dass eine höhere Eiweißzufuhr beim Abnehmen zwar kaum mehr Gewicht bringt, für den Erhalt der Muskelmasse in Kombination mit Training aber sehr wohl einen Unterschied macht.[5] In der Fachdiskussion zum Proteinbedarf unter GLP-1 kursieren Orientierungswerte zwischen 1,2 und 1,6 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht – belastbare Studien speziell für GLP-1-Patientinnen und -Patienten fehlen dafür allerdings noch.

    Praktisch heißt das: Eiweiß zuerst essen, bevor das Völlegefühl kommt, und die Menge auf mehrere kleine Portionen verteilen statt auf zwei große Mahlzeiten. Wie du dein Kaloriendefizit so wählst, dass es nicht unnötig steil wird, kannst du mit unserem Rechner für dein Kaloriendefizit abschätzen. Eine ausführliche Alltagsstrategie zur Eiweißversorgung findest du in unserem Fahrplan gegen Muskelverlust bei zu wenig Eiweiß, und wer über ergänzende Präparate nachdenkt, sollte sich vorher ansehen, was Kreatin und essenzielle Aminosäuren realistisch leisten.

    Was die aktuelle Studienlage noch nicht beantwortet

    Die ehrlichste Zeile der ganzen Metaanalyse steht bei den Einschränkungen: Es wurden keine funktionellen Ergebnisse erfasst. Niemand hat gemessen, ob die Teilnehmenden nach der Therapie schwächer waren, schlechter aufstehen konnten oder häufiger gestürzt sind. Da der funktionelle Rückgang bekanntermaßen früher einsetzt als messbare Masseverluste, ist das eine echte Lücke.[1]

    Offen bleibt außerdem, wie sich das Bild bei Menschen mit Diabetes, im höheren Alter und über mehrere Jahre entwickelt. Auch der Zusammenhang mit dem Viszeralfett wurde in dieser Auswertung nicht getrennt betrachtet. Wer das Thema für die eigene Situation vertiefen will, findet in unserem Leitfaden zum Muskelschutz trotz körperlicher Einschränkungen praktische Ansätze, und für ältere Betroffene lohnt der Blick auf neue Daten zu Muskelabbau und Gebrechlichkeit im Alter.

    Häufige Fragen aus der Community

    Ich habe 20 Kilo abgenommen und fühle mich schwach. Ist das jetzt der Muskelabbau?

    Vielleicht – aber Schwäche unter GLP-1 hat oft andere Ursachen, die schneller zu beheben sind: zu wenig Kalorien insgesamt, zu wenig Flüssigkeit, ein Eisen- oder Vitamin-B12-Mangel oder schlicht zu schnelles Abnehmen. Ein Blutbild und ein ehrliches Ernährungsprotokoll über eine Woche bringen dich hier weiter als jede Selbstdiagnose. Sprich es beim nächsten Termin an, statt es auszusitzen.

    Soll ich wegen der Muskelmasse lieber auf eine niedrigere Dosis wechseln?

    Das ist keine Entscheidung, die du allein am Küchentisch treffen solltest. Die Daten zeigen zwar, dass ein stärkerer Gewichtsverlust mit einem größeren absoluten Verlust an fettfreier Masse einhergeht – aber der Nutzen einer wirksamen Dosis für Blutzucker, Blutdruck und Gelenke steht dem gegenüber. Bring die Frage mit ins Arztgespräch, gern zusammen mit deinen Trainings- und Eiweißgewohnheiten.

    Kommt die verlorene Muskelmasse nach dem Absetzen von allein zurück?

    Darauf würde ich mich nicht verlassen. Was nach dem Absetzen zurückkommt, ist in erster Linie Fettmasse – Muskelmasse baut sich nur mit Trainingsreiz und ausreichend Eiweiß wieder auf. Genau deshalb ist es sinnvoll, mit dem Krafttraining nicht bis nach der Therapie zu warten.

    Quellen

    1. Laverde LP, Muñoz-Velandia OM, Alfonso D, Gómez Medina AM (2026): Effect of GLP-1 receptor agonists at doses for obesity management on muscle health: systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. International Journal of Obesity. Metaanalyse zur Muskelgesundheit im International Journal of Obesity
    2. Look M, Dunn JP, Kushner RF et al. (2025): Body composition changes during weight reduction with tirzepatide in the SURMOUNT-1 study of adults with obesity or overweight. Diabetes, Obesity and Metabolism. DXA-Teilstudie zu SURMOUNT-1 in Diabetes Obesity and Metabolism
    3. Sattar N, Neeland IJ, Dahlqvist Leinhard O et al. (2025): Tirzepatide and muscle composition changes in people with type 2 diabetes (SURPASS-3 MRI). The Lancet Diabetes and Endocrinology 13:482–493. SURPASS-3-MRT-Analyse in The Lancet Diabetes and Endocrinology
    4. Deutsche Adipositas-Gesellschaft (2024): S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas, Version 5.0, AWMF-Register-Nr. 050-001. S3-Leitlinie der DAG im AWMF-Leitlinienregister
    5. Deutsches Ärzteblatt (2025): Gewichtsabnahme bei Adipositas – die Rolle von Proteinen. Übersicht zur Proteinzufuhr beim Abnehmen im Deutschen Ärzteblatt

    Fazit: Die neue Metaanalyse entwarnt nicht, sie präzisiert. Unter GLP-1 in Adipositas-Dosierung sinkt die fettfreie Masse absolut, ihr Anteil am Gesamtgewicht steigt aber – die Körperzusammensetzung verschiebt sich also insgesamt in eine günstigere Richtung. Was die Studien nicht beantworten: ob du dabei tatsächlich schwächer wirst. Solange diese Lücke besteht, sind zum Schutz deiner Muskelmasse Krafttraining und eine bewusst geplante Eiweißzufuhr die beste Absicherung, die du selbst in der Hand hast.

    Frage an die Community: Hast du seit Therapiebeginn gemerkt, dass dir Alltagsbewegungen schwerer fallen – oder eher das Gegenteil, weil weniger Gewicht auf den Gelenken lastet? Erzähl gern, was du in Sachen Training und Eiweiß umgestellt hast und was davon realistisch durchzuhalten war.

    Über den Autor

    Mathias Köster | Gründer des GLP-1 Forums

    Ich bin kein Arzt – sondern Patient. Seit Februar 2025 nehme ich Mounjaro, verschrieben und begleitet von meinem Diabetologen. In dieser Zeit habe ich 41 kg abgenommen und über 16 Monate direkte Therapieerfahrung gesammelt.

    Aus dieser Erfahrung heraus habe ich das GLP-1 Forum gegründet – weil eine deutschsprachige Community für ehrlichen Erfahrungsaustausch fehlte.

    Alle Artikel recherchiere ich anhand von Studien aus PubMed, Fachinformationen der Hersteller sowie offiziellen Quellen wie BfArM, EMA und der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Die verwendeten Quellen sind am Artikelende vollständig aufgeführt und verlinkt. Inhaltliche Verantwortung liegt vollständig bei mir.

    Dieses Forum ist kein medizinischer Rat. Es ist ein Ort für ehrlichen Erfahrungsaustausch – unabhängig, ohne Pharmaunternehmen im Hintergrund.

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    Antworten 2

    Protagoras
    22. Juli 2026 um 11:23

    Mein Wettlauf gegen Muskelverlust (Ozempic, zZt 0,6 mg):
    Habe mir ja vor einem Monat eine BFA waage zugelegt:

    23.06. 33,7% Körperfett 42,6% Skelettmuskel 63% Gesamtmuskel
    22.07 32,9% Körperfett 43,2% Skelettmuskel 63,7% Gesamtmuskel

    ich habe moderat abgenommen, 2,7 kg, BMI von 30,4 auf 29,6

    Auch wenns schwerfällt, Sport, Ozempic und Ernährung unter einen Hut zu bringen, es scheint zu gehen. Ich habe im Durchschnitt 600 kcal /tag Aktivitätsverbrauch und ziemlich genau das nehne ich ab (90g/tag, 1 kg Körpergewicht = ca 700Kcal)
    Mal sehen, ob ich diese Balance halten kann

    Protagoras
    22. Juli 2026 um 17:48

    Ups, im obigen post ist ein Tippfehler, den ich nicht mehr korrigieren kann (>60 min), es muss heissen : 1 kg Körpergewicht = ca 7000 Kcal !

    Diskutiere mit!

    Über diesen Artikel

    Medizinischer Hinweis: Die Inhalte dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und dem Erfahrungsaustausch zwischen Betroffenen. Sie ersetzen keinesfalls die individuelle Beratung durch einen Arzt oder Apotheker und stellen keine medizinische Diagnose, Therapieempfehlung oder Dosierungsanleitung dar. Bei gesundheitlichen Beschwerden, Fragen zur Dosierung oder Veränderungen deiner Therapie konsultiere ausschließlich fachkundiges medizinisches Personal.

    Quellen & Aktualität: Alle verwendeten wissenschaftlichen Quellen sind am Artikelende mit vollständiger Quellenangabe aufgeführt und verlinkt. Die Inhalte werden bei relevanten neuen Erkenntnissen aktualisiert. Trotz sorgfältiger Recherche übernehme ich keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und dauerhafte Aktualität.

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