Wenn der Food Noise verstummt: Die mentale Umstellung mit GLP-1, über die kaum jemand spricht

  • Matze hat einen neuen Artikel veröffentlicht:

    Matze
    25. Mai 2026 um 17:03

    Zitat
    Jahrelang kreisten die Gedanken unaufhörlich um die nächste Mahlzeit – und dann, plötzlich, Stille. Wer GLP-1-Medikamente wie Semaglutid oder Tirzepatid nimmt, kennt diesen Moment: Das ständige mentale Hintergrundrauschen rund ums Essen – der sogenannte „Food Noise" – verstummt. Was danach kommt, ist nicht nur Erleichterung, sondern auch eine tiefe Verunsicherung, für die die wenigsten vorbereitet sind.

    Gruß Matze

    The world has music for those who listen

  • Matze ich finde es extrem cool, dass du dieses Thema mit dem wie üblich tollen Artikel aufgreifst. Danke dafür 🙏

    Und ja, es ist in der Tat etwas paradox, denn mein Leben lang drehte sich in meinem Hirn alles um Essen oder eben das Vermeiden von Essen - latent und oft auch priorisiert in Dauerschleife.

    Jetzt ist der Foodnoise an vielen Tagen sehr leise, manchmal sogar völlig weg, aber die jahrelangen (teilweise auch liebgewonnenen) Gewohnheiten, die man immer mit Essen verknüpft hat, die Muster also, sind noch vorhanden, und so kommt es in bestimmten Situationen oder Überlegungen vor, dass man sich auf etwas freut, was aber früher immer irgendwie mit Essen verknüpft war (zb bestimmte Treffen in Restaurants, Urlaube und dort bestimmte Orte, oder aktuell in den Sommermonaten unser Kleingarten, Stichwort Grillen usw), und dann passt das Muster nicht mehr mit der Realität zusammen. Plötzlich empfindet man fast eine gewisse Leere bzw hat man dann auf das Ganze keine Lust mehr, wenn man dann jetzt "eh nicht mehr essen" kann, kann man es eigtl auch direkt ganz lassen.

    Oftmals denkt mein Hirn daher auch nach wie vor noch an Essen zu bestimmten Verknüpfungen, zb im Büro bestimmte Uhrzeit usw, und anfangs musste ich erstmal realisieren, dieses Denken in früheren Mustern von echtem Foodnoise, wie er früher war, zu unterscheiden, denn es ist ein signifikanter Unterschied, ob es wirklich um Essen geht oder eben nur die Verknüpfung des alten Musters.

    Dass mich das depressiv macht, würde ich nicht sagen, es ist eine völlig neue Erfahrung, zumal bei jeder früheren Diät selbst in erfolgreichen Phasen die Dauerschleife im Kopf ja trotzdem immer da war, selbst wenn man eine zeitlang gut widerstanden hat.

    Um die alten Verknüpfungen zu lösen, braucht es wiederum Zeit, die man sich geben darf, immerhin waren die Muster jahrzehntelang aktiv, und dass sie neuerdings ins Leere laufen, muss das Hirn halt wirklich erstmal verstehen (genau wie im Artikel beschrieben).

    Die Chance ist, neue Verknüpfunge zu etablieren und die Leere zu füllen, und ich für mich bin sehr dankbar dafür 🙂

  • Das mit der Verknüpfung von Essen und diversen Ereignissen irritiert auch mich. Eine Freundin will mich und meinen Mann als Dank in Restaurant einladen und will wissen, wohin wir gerne gehen würden. Ich habe keine Ahnung, weil einfach der Appetit auf etwas bestimmtes weg ist. Oder die Sache mit dem Urlaub. Wir fahren demnächst für 3 Wochen wieder in die Normandie. Ich fand es normalerweise toll, über die Märkte und durch die Geschäfte zu streifen und tolle Lebensmittel zu kaufen und zu kochen. Das Bedürfnis ist komplett weg. Wird interessant.....

  • Den Begriff Food Noise kannte ich früher nicht, jedoch habe ich immer empfunden, daß sämtliche Abnehmprogramme auf eine Art Suchtfaktor keine Rücksicht nehmen. Man bekommt gesagt, daß alles so zusammengestellt ist, daß man keinen Hunger hat. Das hat mir wenig gebracht, Hunger kann ich sogar gut aushalten aber nicht dieses ständige Denken ans Essen

  • Hunger kann ich sogar gut aushalten aber nicht dieses ständige Denken ans Essen

    Genauso habe ich es auch empfunden und kannte den Begriff FoodNoise vorher auch nicht.

    Es ist so beruhigend, nicht mehr ständig ans Essen zu denken.

    Selbst Kalorien tracken, hat mich gestresst, weil ich ständig daran gedacht habe, was darf ich heute noch Essen, was passt noch in die Kalorienbilanz.

  • NannyOgg das ging mir auch so. War ganz überrascht, als ich den Begriff das erste Mal gelesen habe und plötzlich ergab alles einen Sinn. Das war, glaube ich, auch der Moment, dass ich mich für die Abnehmspritze entschieden habe. Bin so froh, dass es dann auch so gut angeschlagen hat.

    • Offizieller Beitrag

    Ich selbst kannte den Begriff vorher auch nicht. Erst als ich angefangen mich intensiv damit zu beschäftigen. Rede ich heute mit Freunden oder aussenstehende über das Thema Food Noise, sehe ich auch die ganzen Fragezeichen über deren Köpfen.

  • Guten Morgen NannyOgg

    den Begriff FoodNoise kannte ich vorher auch nicht, aber er passt (für mich).
    Sofort nach dem Frühstück zu überlegen, was ich zur nächsten Mahlzeit machen könnte: eine meiner
    leichtesten Übungen 🫢.

    >jedoch habe ich immer empfunden, daß sämtliche Abnehmprogramme auf eine Art Suchtfaktor keine Rücksicht nehmen.

    Das kann ich leider nur bestätigen. Ich habe inzwischen verschiedene Kurse gemacht, die von meiner Krankenkasse angeboten
    worden sind und wirklich gut gefiel mir nur einer. (Da ging es zwar auch nicht um Suchtfaktoren, aber es wurde z. B. eingehend darauf
    eingegangen, wie man seinem Darm was gutes tun kann bzw. was für Auswirkungen einem blühen, wenn man ihn
    schlecht behandelt oder auch nur vernachlässigt.)

    In meiner Kur vor inzwischen über 20 Jahren bin ich allerdings einer bemerkenswerten Ernährungsberaterin begegnet,
    die mir bestätigte, was ich schon vermutet hatte: "Essstörung an Bord".
    Wir waren nicht ganz wenige zu der Zeit: in diversen Ausprägungen und von unterschiedlichem Alter.
    Aber mit einem Suchtproblem: Essen. Und ganz ehrlich: das ist doch wirklich eine "gemeine" Sucht.
    Die meisten anderen Stoffe nach denen man süchtig werden kann, braucht man nicht zum Leben.
    Ohne Nahrung funktioniert es beim besten Willen nicht.

    Ich bekam damals einen Hinweis, den ich nicht wieder vergessen habe
    (nicht zuletzt wegen des Bildes was ich sofort vor Augen hatte):
    Wenn du meinst, du hast Hunger, fühl erst nach, ob dir nicht doch etwas anderes fehlt.
    Ihr Ratschlag: "Schokolade mit Ohren" 😉

    Lach - eine wunderbare Methode, die mir sehr oft weitergeholfen hat.

    Und was FoodNoise angeht: ich stelle es mir sehr erleichternd vor, wenn er verschwindet.
    Es ist vermutlich so wie mit allen Änderungen - man muß erst lernen, damit umzugehen.

    „Sei du selbst – alle anderen gibt es schon.“ (Oscar Wilde)

    Waldgeist
    173 cm
    2026-01-01: 112,0 kg
    2026-08-09: 92,5 kg (-19,5 :))
    GLP-1: #

  • Hallo zusammen,

    Ich befinde mich in „Woche 5“ und daher auch noch ganz am Anfang meiner Reise, aber das „FoodNoise“ war bei mir bereits kurz nach der ersten Spritze verstummt. Und ich muss sagen, ich empfand es als Segen. Ich war glücklich, einfach mal keinen Hunger zu haben und nach einer kleinen Portion bereits ernsthaft sagen zu können „ich bin satt“. Das kannte ich gar nicht mehr.

    Aber ich muss zugeben, es ist schon ein gewisser Druck, mit Freunden essen zu gehen oder zu grillen und nach einer gefühlten Mini-Portion schon nicht mehr zu können. Teilweise habe ich mir das Essen dann sogar „reingezwungen“, nur um nicht aufzufallen (ich muss zugeben, ich habe das mit der Spritze auch nicht groß kommuniziert - außer meinem Mann - dafür fehlt mir das Selbstbewusstsein…).

    Und wenn auch der früher heißgeliebte Aperol Spritz in der Mädelsrunde so gar nicht mehr schmeckt, habe ich schon etwas Angst, dass einiges an Lebensqualität und -Freude verloren geht…

    Wie geht Ihr so damit um?

    Schönen Tag an alle :)

  • Hey Mausezahn, toll dass es bei Dir so gut wirkt. Die Portionen werden mit der Zeit wieder größer. Ich konnte anfangs nur max. Näne Müslischale voll essen, egal ob Gemüse, Nudeln, Fleisch oder oder oder. Jetzt ist es wieder mehr. Deswegen finde ich es so wichtig, diese Anfangszeit zu nutzen und auf passende Lebensmittel umzusteigen, solange es einem leicht fällt. Dann hat man sich dran gewöhnt, wenn die Portionen wieder etwas mehr werden.

    Ich habe es auch lange nicht erzählt, dass ich Wegovy nehme und hab dann einfach aufgehört, wenn ich satt war und den Rest eingepackt. Hab dann auf Nachfrage auch einfach gesagt, dass ich heute schon satt bin. Hat niemand nachgefragt. Alkohol war bei mir nie ein Thema, gab es eher selten. Aber ich habe gelesen, dass die Medis das Verlangen darauf auch dämpfen. Wenn du keine Lust drauf hast, trink einfach nicht. Dann gibts halt ein stilles Wasser. Wenn du kein Verlangen danach hast, nimm es einfach hin. Die Qualität eine Mädelsabend hängt nicht am Aperol 😉

  • Hi Netti,

    Ja, das ist total verrückt - momentan wünsche ich mir sogar, dass die Portionen wieder etwas größer werden und der Hunger zurückkommt (zumindest in Maßen). Aber zumindest ist die anfängliche Übelkeit nicht mehr so stark, dadurch fällt das Essen auch wieder leichter.

    Total verrückt ist auch, dass man richtig Lust auf gesunde Sachen hat - ich hab mich zwar sowieso schon immer recht gesund ernähr, aber wenn andere Pizza, Pommes oder Kuchen gegessen haben, konnte ich nicht widerstehen (es ist halt eine Sucht…). Mittlerweile esse ich lieber Gemüse und sage „nein“ zum Nachtisch ohne mich schlecht damit zu fühlen. Es ist wie ich schon sagte „total befreiend“ ^^

    Aber es ist gut zu wissen, dass die Portionen auch wieder größer werden, und man mit der Zeit auch wieder Freunde am Essen empfindet :)

  • Hey Mauszahn, ich hatte anfangs plötzlich Lust auf Orangen und Äpfel. Fand ich auch total verrückt 😆. Chips interessieren mich bis heute überhaupt nicht mehr. Bei Katzenpfötchen und Kinder Schokobons werde ich nach wie vor schwach und kaufe sie erst gar nicht 🤪. Ich habe für moch das Gefühl, dass sie meine Ernährung einmal komplett zurecht geruckelt hat. Kann gern so bleiben. Der Weg ist schließlich noch lang 😇

  • War ganz überrascht, als ich den Begriff das erste Mal gelesen habe und plötzlich ergab alles einen Sinn. Das war, glaube ich, auch der Moment, dass ich mich für die Abnehmspritze entschieden habe. Bin so froh, dass es dann auch so gut angeschlagen hat.

    Das war bei mir genauso. 😃 Ich war sogar 2 Monate vorher noch zu einer Ernährungsberatung und an den Abenden, an denen ich 1800 kcal wohl ausgewogen gegessen hatte, drehten sich alle meine Gedanken nur ums Essen, insbesondere ungesundes, süßes und fettiges Essen.

    Ich dachte schon ich spinne, mir ist nicht mehr zu helfen. 🤪

    Und dann hörte ich von Food-Noise, den Begriff kannte ich vorher gar nicht, wusste aber genau was damit gemeint ist. Und ich habe gehört, dass die Abnehmspritze diesen Gedanken unterdrückt und ein paar Tage später sass ich bei meinem Hausarzt. 💉👍

    Ich habe nach der ersten Spritze mehr auf das Ende des Food-Noise gewartet als auf die Abnahme selbst. Bin froh, das er jetzt dauerhaft weg ist. Brauche ihn auch nicht wieder. ☺️

  • Wie geht Ihr so damit um?

    Ich trinke seit 14 Jahren wegen einer Hormonumstellung keinen Alkohol mehr und ganz egal ob mit oder ohne Abnehmspritze finde ich den gesellschaftlichen Druck mitzutrinken noch immer sehr hoch. Trotzdem habe ich immer dankend abgelehnt und irgendwann wurde es akzeptiert. Mittlerweile gibt es für mich extra alkoholfreie Sachen, mag Wildberry Lillet ohne Alkohol ganz gerne. Den gönne ich mir dann mal, auch wenn er Zucker hat. Einige Unbelehrbare gehören gar nicht mehr zu meinem Freundeskreis, das hat meine Lebensqualität eher erhöht als vermindert. 😉

    Beim Essen überwiegt die Ruhe im Kopf gegenüber doofen Blicken einfach um Längen. Diese Lebensqualität kann mir nichts anderes geben. 👍 Ich habe es auch bis jetzt kaum jemandem erzählt und bin gespannt, wie sich das alles noch so weiter entwickelt.

  • …was mich stört ist das „gesellschaftliche Essen“. Also wenn ich in einer Gruppe unterwegs bin, eigentlich keinen Hunger habe, - und dann wird eingekehrt. Es ist dann wirklich sehr schwierig, sich nur ein Glas stilles Wasser zu bestellen. Gut, - ich bestelle mir dann halt eine Suppe, ärgere mich aber trotzdem, weil ich ohne jegliches Hungergefühl, irgendwas hineinfresse. Und aggressiv macht mich wirklich auch die Frage „willst Du mal probieren“?

    Ob ich Nahrung zu mir nehmen sollte sagt mir mein Sensor und bei einem (noch guten) Blutzucker von 180 WILL ich nichts essen. (sonst laufe ich den Rest des Tages mit einem Wert von 300 rum und meine Tagesbilanz ist versaut.)

    Anders herum BRAUCHE ich am Nachmittag etwas Süßes. Denn das Insulin, das ich mir am Morgen gespritzt habe, hat sämtlichen Zucker in die Zellen geschickt. Auch das Anmelden dieses Bedarfes (innerhalb einer Gruppe) gestaltet sich oft schwierig, denn bei einer drohenden Unterzuckerung habe ich oft nicht viel Zeit, oftmals nur wenige Minuten …

    • Offizieller Beitrag

    PeterausFranken

    Kann ich nicht nachvollziehen was du da schreibst 😳. Wenn ich in einer Gruppe unterwegs bin, weiß ich in der Regel vorher, dass entweder Mittags oder Abends zum Essen eingekehrt wird und plane das dann entsprechend ein. Meistens esse ich dann eine Seniorenportion oder eine andere Kleinigkeit. Wenn ich so gar keinen Hunger hätte (was in der Regel bei mir in der Situation so gut wie gar nicht vorkommt 😅) würde ich eben nur bei einem Getränk bleiben. Es gibt doch keinen Gruppenzwang zum Essen 🤷.

    Zu deinem nachmittäglichen Bedarf an etwas Süßem... Da hätte ich an deiner Stelle immer einen Riegel oder Bonbon oder Traubenzucker in der Tasche. Dann müsstest du auch nichts in der Gruppe anmelden 😉 oder so.

  • Ich befasse mich mit dem Thema Abnehmspritz noch gar nicht so lange. Ich bin erst auf "Food Noise" gestoßen, als ich über KI Infos raussuchen ließ. Es beschreibt genau das, was ich in der Therapie bereits erklärte: wie ein Raucher, der keine Fluppen mehr hat. Ich habe nicht verstanden, dass weder in der Ernährungsberatung darauf eingegangen wurde, noch im Rahmen der Therapie und Binge Eating. Das ist ernüchternd und sollte zu denken geben. Wenn mich die KI nicht darauf aufmerksam gemacht hätte, würde ich immer noch nach einer Begrifflichkeit suchen und mich wie ein Drogenjunky fühlen. Wenn man sich nicht selbst mit gesundem Menschenverstand kümmert, ist man echt verloren.

  • Das mag wohl sein, dass Du das nicht nachvollziehen kannst. Aber als Diabetiker entwickelt man halt auch eine Art von "Essstörung" oder "Esskontolle", vielleicht macht das auch jeder einwenig anders. Nichterkrankte können die Tagesabläufe von Diabetikern oft nicht verstehen.

  • Das mag wohl sein, dass Du das nicht nachvollziehen kannst. Aber als Diabetiker entwickelt man halt auch eine Art von "Essstörung" oder "Esskontolle", vielleicht macht das auch jeder einwenig anders. Nichterkrankte können die Tagesabläufe von Diabetikern oft nicht verstehen.

    Das geht komplett an meinem Punkt der Kritik am Gesundheitssystem und endlich eine Bezeichnung für mein Erleben vorbei. Das hat nichts mit Diabetes oder die damit verbundenen Tagesabläufe zu tun. Es ging mir rein um das Phänomen Food Noise und die Erleichterung darüber ein Krankheitsbild gefunden zu haben.

  • Ich bin in Woche 4 und immer noch unsicher, ob das Medikament durchschlagend hilft oder ich, wie zu Beginn jeder Diät, sehr diszipliniert bin. Und dann ist es mir eingefallen! Ich habe vergessen, dass es die Süßigkeitendose gibt, die eine Kollegin für alle bereithält. Sonst war diese Dose entweder ständig in meinem Kopf oder ich mit dem Kopf in der Dose. Ich denke nicht mehr an diese Dose, sie zieht mich nicht mehr magisch an! Ich hab sie einfach vergessen! Yippie

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